Strom Mittwoch 28. Oktober 2020

Ein Petroleum-Head an der Steckdose ?

AC/DC! Das war für mich immer nur gern gehörter Soundtrack zu dröhnenden Motoren, bellendem Auspuffsound und olfaktorisch spannenden Abgasen. Und dann kam Tesla. 

Französische Kleinwagen mit ein paar Autobatterien unter der Haube, die mit geringem Tempo, aber großer Überzeugung ihrer Besitzer durch die Stadt gesurrt sind – das war lange Zeit mein einziger Berührungspunkt mit Elektroautos. Abseits vom Autodrom natürlich. Warum hätte ich mich auch damit beschäftigen sollen? Zum Golfspielen war ich noch zu jung und bis auf ein paar besagte skurrileKisten spielte Elektromobilität keinerlei Rolle. Nicht in meinem Kopf und auch nicht im Straßenverkehr. 

Dann steht da, so um 2011 oder 2012 herum, dieser kleine rote Roadster neben mir an der Ampel in Wien. Auf den ersten Blick als umgemodelter Lotus Elise erkennbar. Tesla-Schriftzug am Heck? Ach ja, so ein kleiner Hinterhof-Autotuner aus den USA. Hab mal davon gelesen, glaube ich. Und dann wird die Ampel grün. Ich dreh den ersten Gang meines Subaru Impreza aus, der Boxer brüllt aus dem Sportauspuff, der Turbo pfeift, dank symmetricalAWD-Allrad liegt sofort volle Traktion an. Plötzlich macht ́s nebenan „Wuuuuusch“ und der kleine Unterlegkeil zieht lautlos nach vorne als hätte ihn ein Katapult abgeschossen. Ja was war denn das? 

Aber da kleine Sportwagen nie mein Metier waren, war die Blamage schnell wieder vergessen. Es folgten sonor-bassige Fünfzylinder-Benziner in großen Limousinen, großvolumige Dieselmotoren in höhergelegten Geländewagen, doppelflutige Sportauspuffanlagen auf fahraktiven Kombis und Zweifach-Registervergaser in Oldtimern. Bis ich einige Jahre danach die Gelegenheit hatte, mit einemHybrid-Fahrzeug zu fahren. Diese Ruhe im Stadtverkehr, diese sanfte Leistungsentfaltung, ganz ohne Schaltrucke. Sehr angenehm. Und bei jedem Bremsen der Ehrgeiz, möglichst viel Bewegungsenergie zurück zu gewinnen. Ich hab damals ein neues Vokabel gelernt – Rekuperieren. Diese Erfahrung hat etwas mit mir gemacht, nur wusste ich das damals noch nicht.

Und so kamen Youtube und die üblichen Verdächtigen ins Spiel. Ein Kanal zum Thema Tesla, ein Kanal über die Elektromobilität allgemein und plötzlich war die Verwirrung größer als zuvor. Wovon reden die da? CCS und ChaDeMo, AC- und DC-Laden, permanent erregt? So genau wollt ́ ich es doch gar nicht wissen. Aber mit dem regelmäßigen Konsum der einschlägigen Videos lichtet sich der Nebellangsam – auch als Benzinbruder beginnt man langsam, zu verstehen. Nicht nur die technischen Details rund um den Betrieb und das Laden eines Elektroautos. Sondern auch die Faszination, die dahinter steckt. Aber kaufen? Nein, soweit war ich noch lange nicht. 

Als Autofreak kaufst du gerne gebraucht. Denn da gibt ́s für weniger Geld mehr Auto als im Schauraum. Dicke Kisten mit sechs oder acht Zylindern zum Preis eines neuen Kleinwagens. Und welche Elektroautos waren gebraucht in meiner Preisklasse zu bekommen? Frühe Nissan Leaf, ein paar Mitsubishi i-MiEV und der Renault Fluence. Danke, aber - Nein, danke. Und für ein Tesla Model S hat die Kohle nicht gereicht. Losgelassen hat mich das Thema Elektromobilität aber nicht mehr und so habe ich 2019 beim Händler eine Renault Zoe für 24 Stunden ausgeborgt. Nur rein aus Interesse. Mit der wollte ich mal einen Tag herumfahren und ausprobieren, wie die Elektromobilität im Alltag so funktioniert. Dachte ich zumindest. Denn nach der ersten Begutachtung durch meine Frau gleich nachdem ich das kleine Ding beim Händler geholt hatte, war die Schlüsselkarte weg. Den restlichen Tag ist meine bessere Hälfte damit herumgeflitzt und ich hab die Zoe erst wieder bekommen, als es Zeit fürs Zurückbringen war.

Mittlerweile haben wir seit einigen Monaten eine Zoe R135 im Haushalt und ihr erratet es nie, wem die gehört. Ich sag nur so viel – mittlerweile spielt meine Frau alle Männer unserer Familien und unseres Bekanntenkreises gnadenlos an die Wand, wenn es ums Know-How zur Elektromobilität geht. Aber für mich hat das auch ein Gutes: Ich weiß, wen ich fragen muss, wenn ich AC/DC wieder mal mit einer australischen Rockband verwechsle.

"Lukas Wieringer, Jahrgang 1984, ist Motorjournalist, Auto-Blogger und Benzinbruder, seit er denken kann. Egal ob Sportwagen, Offroader oder Oldtimer - er liebt sie einfach alle. Und seit seine Frau ein Elektroauto fährt, ist für ihn auch die Mobilität der Zukunft keine Zukunftsmusik mehr.

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Bild: Simone Secci

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