Strom Mittwoch 3. November 2021

Testbericht über den Kia EV6 RWD Extended

Es war Mittwoch, da konnte ich endlich den Kia EV6 RWD Extended ausgiebiger fahren. Es war zwar das gleiche Auto wie am Samstag beim ersten Check-Up, aber das ist ja kein Problem. Da ich den Wagen ja schon kannte aus dem ersten Kennenlernen, war nicht viel zu erklären und so ging es schnell auf die knapp 1,5 Stündige Probefahrt.

Außen: Die Optik, gerade von hinten. Ich find ihn optisch wirklich atemberaubend. Dann die Blinker, die Beleuchtung. Von vorne sehr agressiv meiner Meinung nach. Größer als man denkt, aber das kannte ich von Hyundai Ioniq 5 ja auch schon. Insgesamt ein sehr sportlich futuristisches Design. Die Türgriffe klappen aus, wenn man den Wagen entriegelt und verriegeln sich beim losfahren. Außerdem könnte man über die Fernbedienung den Wagen hin- und herfahren, zum Beispiel, um ihn aus der Parklücke zu fahren.

Innen: Dieser Unterschied vom Hyundai Ioniq 5 zum EV6 ist phänomenal, finde ich. Einerseits sieht man die Verwandtschaft irgendwie schon, andererseits sieht der EV6 dennoch komplett eigenständig aus. Die Sitze sind genauso bequem wie im Ioniq 5, das Armaturenbrett und vor allem Kombiinstrument sieht nicht so aus wie 2 aufgesetzte Tablets. Dazu ist das Display curved.

Die Bedienung in der Mittelkonsole ist sehr einfach gehalten. Dazu gibt es dann noch die Direkttasten im Armaturenbrett – diese Direkttasten haben 2 Ebenen. Einmal Navi/Radio und einmal Lüftung/Klima. Hinten ist mir auch hier sehr positiv aufgefallen, das in den B-Säulen Luftduschen für die Fondpassagiere vorhanden sind. Außerdem gibt es keinen Skisack, was ihn ebenfalls zum Hyundai Ioniq 5 unterscheidet.

Fahrleistungen + Rekuperation: Definitiv sind die Fahrleistungen absolut ausreichend. Der Hauptunterschied zum Ioniq 5 ist, das man beim Ioniq 5 keine Ambitionen hat, schnell auch mal um eine Kurve zu fahren. Der Kia ist da wirklich anders, Kurvenräubern macht richtig Spaß. Die volle Leistung steht auch merklich erst bei „Sport“ zur Verfügung, aber auch im Eco reicht die Leistung absolut. Das getestete Modell hat 229 PS und eben Heckantrieb. Die Rekuperation ist wie beim Ioniq 5 in 5 Stufen einstellbar. Von Stufe 0 – Segeln, wo auch beim Bremsen dann, zumindest nach Anzeige, nicht rekuperiert wird bis zu Stufe 3, volle Rekuperationsstufe. Dazu dann noch i-Pedal, was einem One-Pedal-Driving entspricht. Ich finde diese Verstellmäglichkeit sehr gut, denn man kann in der Stadt sehr viel rekuperieren lassen, sodaß man sich die Bremse nahezu komplett sparen kann. Andererseits kann man aber auf der Autobahn auf Stufe 0 stellen, um wirklich ewig lange segeln zu können, was natürlich auch dem Autobahnverbrauch zugute kommt.

Fahren: Komfortabel, aber nicht ganz auf dem Maß des Ioniq 5. Er ist eben doch das sportlicher definierte Auto dieses Baukastens. Dennoch – oder gerade deswegen, ist er aber auch unglaublich. Insgesamt fährt er sich ähnlich wie der Ioniq 5 quasi mit Sportprogramm. Die Getriebebedienung mit dem Drehregler statt dem Knubbel an der Lenksäule find ich angenehmer, dafür ist es im Ioniq 5 luftiger wegen der freien Mittelkonsole. Viel anderes beim Fahren gibt es aber meiner Meinung nach nicht im Vergleich zum Ioniq 5.

Assistenten: Alles was ich austesten konnte, hat wunderbar funktioiniert. Dazu dann noch das Headup-Display mit Augmented Reality. Ich liebe das, wirklich. Und im Gegensatz zum Ioniq 5, wo man es nur bekommt, wenn man die Uniq-Ausstattung bestellt, ist es hier einfach hinzubuchbar. Die Blind-Spot-Kameras machen wirklich jeden Spurwechsel, ja sogar das Abbiegen einfacher. Man kann zB ein Fahrradfahrer oder ähnlich problemlos besser erkennen. Es ersetzt aber klar nicht den Schulterblick. Dennoch eine sehr wirkungsvolle Hilfe, um Unfälle zu vermeiden in der Stadt, aber auch bei Spurwechseln auf der Autobahn. Die Blind-Spot-Kamera ist quasi ein Kamerabild im Tacho. Das auf der Seite eingeblendet wird, wohin man blinkt so lange wie geblinkt wird. Außerdem erkennt er auf der Autobahn die Tempolimits und passt bei aktiviertem Tempomat die Geschwindigkeit automatisch an das neue Tempolimit an. Der Clou ist natürlich die Möglichkeit, den Wagen mit der Fernbedienung Vor- und Zurückzufahren. Das ganze funktioniert wirklich problemlos und sobald man los lässt, bleibt der Wagen ca 10 cm später stehen. Was ich dazu noch gehört habe ist, das man den Wagen mit dem Parkassistenten eine Parklücke suchen lassen kann, mit „Ok“ bestätigen und dann aussteigen kann. Dann kann man mit der Fernbedienung den Wagen in die Lücke fahren lassen, während man außerhalb des Autos steuert.

Bedienung: Der Bedienhebel für die Getriebesteuerung ist selbsterklärend. Im Falle des EV6 aber in der Mittelkonsole ein Drehschalter im Vergleich zum Ioniq 5, der es ja als Lenkstockhebel hat. Der Drive-Mode-Schalter sitzt in einer der Lenkradspeichen, griffgünstig, dennoch nicht im Weg. Licht lässt sich über den Lenkstockhebel betätigen. Die Spiegel sind angenehm groß, um genug zu sehen. Allerdings würde ich mir bei einem so technisierten Fahrzeug Kamerabasierte Spiegel zumindest gegen Aufpreis wünschen. Im EV6 ist das Display augenscheinlich ein großes gecurvtes Display und nicht 2 einzelne.

Platzangebot: Das Platzangebot ist gut, aber definitiv ein kleines bisschen kleiner als im Ioniq 5. Hat eben auch einen etwas kleineren Radstand. Der Kofferraum ist klassenüblich, allerdings mit einer nahezu ebenen Ladefläche. Dazu ein Fach unter dem Kofferraumboden, welches bei Bose Sonderausstattung aber kleiner wird.

Dazu verfügt der Wagen über einen Frunk – der beim RWD gar nicht mal so klein ist. Mir wurde gesagt, es sind 55 Liter. Dazu noch mit einer Klappe versehen. Beim Allradmodell sind es dann nur noch 24 Liter.

Infotainment + Navigation: Das Infotainment ist absolut in Ordnung, allerdings für ein so modernes Auto in meinen Augen zu langsam. Gerade der Seitenaufbau beim Zoomen und auch die Berechnung der Routen sind doch stark verbesserungswürdig. Die Naturklänge sind sicherlich angenehm für die Pause beim Laden, aber etwas mehr Übersichtlichkeit hätte dem System doch gut getan.

Qualitätsanmutung: Definitiv höher als beim Ioniq 5. Die Materialanmutung auf dem Armaturenbrett würde ich gleichwertig bezeichnen. Das durchgehende Curved-Display sieht wertiger aus, auch wenn es wahrscheinlich mehr oder weniger 1:1 das gleiche ist, nur eben in Schwarz gehalten statt wie im Hyundai in weiß. Dazu sind die Türverkleidungen deutlich angenehmer, weicher gepolstert und fühlen sich auch haptisch besser an. Ein wichtiger Punkt, finde ich, ist die Auskleidung mit Filz oder Stoff in den Türverkleidungen. Der Ioniq 5 hat hier nacktes Plastik, was mich da schon bei der Probefahrt nahezu wahnsinnig mit einer Flasche gemacht hat. Das wird im EV6 deutlich weniger zum Problem mit der Auskleidung.

Die Bezüge in Schwarz mit weißen Außenkanten sah unglaublich schick aus. Dazu gibt es noch eine Relax-Stellung für die Sitze für die Ladepause, was sehr angenehm ist.

Verbrauch + Laden + Reichweite: Wir sind mit 448 km Reichweite und 98% Ladestand losgefahren. Der Verbrauch pendelte sich um die 17,7 kWh ein, was ich absolut in Ordnung fand. Viel Platz zum Zügigen Fahren auf der Autobahn gab es aber verkehrsbedingt nicht. Mit rund 93% haben wir abgestellt nach rund 80 gefahrenen km, was ich absolut in Ordnung fand. Die restliche angezeigte Reichweite entsprach mehr oder weniger dem, was rechnerisch auch erreicht worden wäre.

Fazit: Ein Schnäppchen ist auch der EV6 nicht. Dennoch finde ich vieles am EV6 soweit so viel besser, das ich eher zu diesem als zum Ioniq 5 greifen würde. Ich finde viele Lösungen im EV6 besser, einerseits die Aufpreispolitik im direkten Vergleich zum Ioniq 5. Dazu noch die Wertigkeit des in meinen Augen hochwertiger wirkenden Kombiinstruments. Aber auch so banale Kleinigkeiten wie die ausgekleideten Türtaschen machen da einiges aus. Außerdem ist das Panoramadach zu öffnen. Er ist auf jeden Fall das Auto für die Leute, die gern fahraktiver unterwegs sind. Natürlich muss man hier wie dort über das nötige Kleingeld verfügen. Alles in allem aber ein sehr schöner BEV, den ich jedem, der hin und wieder auch mal sportlich fahren mag, empfehlen.


Quelle: Dominik König

Bild: KIA

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