Strom Mittwoch 3. November 2021

Testbericht über den Renault Zoe

Diesmal geht es um wohl eines der bekanntesten Elektroautos auf dem Markt, den Renault Zoe. Da ich bei den Händlern durchweg eher negative Erfahrungen gemacht habe, habe ich mir für ein Wochenende ne Zoe bei Starcar gemeietet. Und zwar in der Ausführung R135 als ZE50, also mit dem größten Motor und dem großen Akku. Kurz alles schriftliche geklärt, danach ging es raus ans Auto.

Außen: Nun, ich denke, jeder wird mal eine Zoe gesehen haben. Von vorn find ich ihn wirklich schick. Generell mag ich, wie der Wagen gezeichnet ist. Dazu das doch noch relativ neue Tagfahrlicht um die Hauptscheinwerfer, dazu Serie Hauptscheinwerfer in LED-Technik. Die Seitenansicht mit den Serien-Felgen ist absolut in Ordnung, hinten sieht man keine Türgriffe, diese sind in der schwarzen Abdeckung der C-Säule in der hinteren Tür versteckt.

In dem dunkeln Lila sah der Wagen wirklich gut aus. Bisher hat mich die Optik auch weniger gestört, ich hatte eher Vorurteile bezüglich dem restlichen Wagen – was aber vermutlich mehr an den Problem mit den Renault-Händlern lag. Eine Rückfahrkamera und Parkpiepser rundum waren auch an Bord, obwohl ich den Wagen aufgrund der etwas erhöhten Sitzposition als sehr gut empfand.

Innen: Alles sehr aufgeräumt und leicht verständlich. Dazu Teilleder-Sitze mit einem ansprechenden Rautenmuster im Stoff. Dazu eine mit Stoff verkleidete Armaturentafel als Designeinsatz und Stoff an allen Türverkleidungen. Fand ich optisch sehr stimmig und gefiel mir viel besser als das oft benutzte Klavierlack. Alle Bedienelemente sind leicht verständlich angeordnet, links vom Lenkrad seltener benutzte Knöpfe wie Spurassistent, Lichthöhenverstellung und den Ladeport-Öffner und gleichzeitig auch Entriegler. Noch eine Etage tiefer ist dann nur noch der Schalter für die Lenkradheizung und um den Fußgängerton auszuschalten. Das Kombiintrument präsentierte sich als Volldigital, was wirklich sehr ansprechend aussah. Sogar mit Animation beim Einschalten des Fahrzeugs. Alles aber sehr übersichtlich und leicht zu bedienen. Bei Nutzung der Navigation im Kombiinstrument werden die Anzeigen für Geschwindigkeit etc etwas kleiner und verschieben sich minimal nach Außen, dazu wird dann mittig die Navi-Karte eingeblendet. Ist zwar eine vereinfachte Darstellung, aber ich finde es sehr gut gelöst. Das Handschuhfach ist etwas tief platziert, und auch nicht wahnsinnig groß. Desweiteren verfügte der Mietwagen über eine Qi-Ladeschale in einer 2. Ebene direkt unterhalb des Wählhebels. Fand ich sehr gut platziert. Das Android-Auto nur mit Kabel funktionierte war nicht ganz so schön. Vor dem Beifahrer befindet sich noch eine gummierte Ablagefläche für das Handy des Beifahrers, das so nicht umherrutschen kann. Außerdem noch ein Ablagefach, vor allem auch zB für den Schlüssel direkt vor dem Wählhebel. Dieser liegt sehr angenehm in der Hand, man kann so auch sehr zügig von D auf R wechseln, zum rangieren sehr praktisch. Um von D auf B zu wechseln genügt, ein weiteres mal nach hinten zu ziehen, fertig. Was mir aber wirklich in dem Auto gefehlt hat: Eine Mittelarmlehne. Die Sitze vorne sind leider nicht höhenverstellbar, so war der Sitz für mich eigentlich ein kleines Stück zu hoch bei 1,84 m Körpergröße. Nach wenigen Minuten ist die Sitzposition aber durchaus in Ordnung, fühlt sich auch nicht unschön an. Hinten sitzt durchaus angenehm, auch für größere Personen. Einzig die dann doch stark angewinkelten Beine stören das ganze, so wirkt es leider ein wenig unbequem. Der Kofferraum ist größer, als ich es erwartet habe, geht allerdings sehr tief runter. Dazu kommt noch bei umgeklappter Rückbank eine eher unschöne Kante. Dennoch ein gut nutzbares Format.

Fahrleistungen + Rekuperation: Habe dann auch einfach mal losbeschleunigt. Ich war auf jeden Fall positiv überrascht. Es war richtig Schub dahinter – natürlich nicht Tesla-like, aber wirklich gut punch. Genug auf jeden Fall, um gerade im bevorzugten Einsatzgebiet nahezu fast immer die Nase vorn zu haben. Auch das Auffahren auf die Autobahn gestaltet sich sehr problemlos. Gestoppt habe ich den Wagen nicht, aber ich nehme Renault definitiv die 9,5 Sekunden 0-100 km/h ab. Das passt und fühlt sich wirklich gut an. Zur Rekuperation ... nun ja, er rekuperiert immer. In D etwas, in B deutlich stärker. Aufgrund einer Anzeige im Kombiinstrument kann man es sogar ablesen, wie stark rekuperiert wird. In D wird mit bis zu 11 kw rekuperiert, in B wird städtisch mit 22 kw, auf der Autobahn sogar mit bis zu 30 kw rekuperiert. Finde ich ausreichend, wenngleich es kein One-Pedal-Driving ist. Man kann aber gerade im städtischen Verkehr im B Modus mit 1-2 Tagen Übung den Wagen so durch reines „Vom- Gas-Gehen“ verzögern, das man ohne die Bremse berühren zu müssen abbiegen kann. In sagen wir mal rund 80% der Fälle.

Fahren: Ich habe wirklich den Federungskomfort der Zoe gemocht. Federt deutlich besser, als ich erwartet habe. Insgesamt fuhr der ganze Wagen richig erwachsen, auf keinen Fall wie ein Klein- oder Kompaktwagen. Auf der Autobahn ab 120 km/h wird er doch ein wenig lauter, aber immer noch nicht unangenehm.

Dadurch, das er sehr übersichtlich ist und auch einen sehr angenehmen Wendekreis hat, ist er wirklich angenehm zu fahren. Einparken lässt sich super, alles top. Die Rückfahrkamera funktioniert, aber könnte eine bessere Auflösung haben. Alle Assistenzsysteme funktionieren problemlos, vor allem die Lenkradheizung wäre im Winter ein absolutes Must-have. Dauert keine 800m, dann is das Lenkrad warm. Die Getriebebedienung, den Knubbel nach vorne für Rückwärts und Hinten für Vorwärts ist sehr intuitiv. Neben dem Wählhebel ist auch eine Anzeige vorhanden für den eingelegten Gang. Im Kombiinstrument ist es auch zu sehen, aber meiner Meinung nach ein wenig zu klein. Die 145 km/h, die der Wagen laut Tacho als Topspeed läuft, sind vollkommen ausreichend.

Das LED-Licht war wirklich eine fantastische Ausleuchtung, dazu noch das LED-Fernlicht. Beim Abbiegen, sobald man den Blinker betätigt hat, ging noch der LED-Nebelscheinwerfer mit an, wodurch er ein Abbiegelicht hergestellt hat und wirklich sehr gut die Straße weiter ausgeleuchtet hat.

Desweiteren gab es noch ein ECO-Programm. Man merkt, das er schon weniger Leistung hat. In der Stadt war es aber absolut in Ordnung, auf der Autobahn drosselt er auf 105 km/h bei aktivem ECO Programm. Typisch Elektroauto ist natürlich, das er eine wirklich gute Kurvenlage hat, trotz der doch eher schmalen Reifen. Der Akku senkt halt den Schwerpunkt recht ordentlich – dazu ist der Akku natürlich auch recht groß, wodurch er einiges an Gewicht mit sich bringt.

Assistenten: Was Assistenten angeht ist die Zoe jetzt nicht so weit vorne wie andere. Aber das, was er hat, funktioniert, überwiegend sehr gut. Der Spurhalteassistent funktioniert gut, mahnt natürlich bald zum Lenkrad wieder anfassen. Der Regensensor war mir leider ein wenig zu indifferent. Einerseits wenn er gewischt hat zu nervös. Dann aber auch zu langsam, wo er zu spät angefangen hat zu wischen, obwohl die Scheibe schon lange relativ regenbedeckt war.

Parkassistent und Kamera waren kein Problem, dazu hat er noch Totwinkel-Spots in den Außenspiegeln, die aber nur als rote kleine Lämpchen dargestellt sind. Was erstmal primitiv klingt, funktioniert im Alltag aber sehr gut, denn man sieht es auch im Augenwinkel, ohne direkt in den Spiegel zu gucken. Fernlichtassistent war auch an Bord, hab ich aber leider erst auf dem Weg zur Fahrzeugabgabe entdeckt, konnte es so leider nicht austesten.

Bedienung: Sehr einfach. Wischer und Regensensor sind problemlos zu bedienen. Der Wählhebel liegt gut in der Hand und ist nur in 2 Richtungen zu bewegen. Dadurch kann man eben auch sehr schnell zwischen Rückwärts und Vorwärts wechseln. Das einzig erstaunliche ist, vor allem im Vergleich zu anderen Elektroautos, das er keine P-Stellung hat. Dafür einfach den Wagen ausschalten oder in der Mittelkonsole die elektronische Parkbremse ziehen, damit sie angezogen wird. Sehr schick fand ich die Umsetzung der Klimabedienung. In den Drehreglern war jeweils ein kleines Display oder Piktogramm, aber schon ziemlich hoch auflösend, wo man die Stufe des Klimastellung erkennt und auch, wie sie genau eingestellt ist, wo sie hinpusten soll. Wirklich schick.

Desweiteren gibt es noch eine ECO Taste unterhalb des Displays.

Platzangebot: Das Platzangebot ist für die Fahrzeuggröße wirklich gut. Kofferraumgröße ist wirklich größer als ich dachte, aber aufgrund der Bautiefe auch nicht ganz so ideal zu nutzen. Vorne sitzt es sich sehr angenehm. Angenehme Innenbreite, durch die sehr variable Lenkradeinstellung auch ein sehr gutes Raumgefühl auf dem Fahrersitz. Hinten ist aufgrund der Vordersitze mit integrierter Kopfstütze das Raumgefühl nicht ganz so schön, aber der Platz dennoch auch für Erwachsene brauchbar. Einzig die stark angewinkelten Beine wegen dem darunter befindlichen Akku ist negativ zu verbuchen.

Infotainment + Navigation: Das verbaute Infotainment war soweit in Ordnung, allerdings war es auch das optionale. Ab Werk ist eigentlich nur ein 7 Zoll Display verbaut. Die Auflösung ist soweit gut, die Rückfahrkamera könnte aber besser auflösend sein. Es ist überwiegend leicht verständlich zu bedienen. Allerdings braucht die Spracherkennung ungewöhnlich lange, weil man sie nicht unterbrechen kann und jeden Befehl einzeln nennen muss und dann erst auf Ausführung warten muss. Als Beispiel: „Navigation“ - auf Ausführung warten, Erklärung anhören, „Adresse eingeben“ - auf Ausführung warten, Erklärung anhören, und erst dann kann man die Adresse nennen. Es funktioniert, aber doch eher langsam das ganze.

Das Zoomen im Navimodus ist doch eher langsam, aber es funktioniert. Die Anbindung ans Android-Auto wäre schön, wenn es über Bluetooth funktionieren würde anstatt per Kabel. Und den AUX-In Anschluß könnte man weglassen und stattdessen evtl lieber ein Typ-C setzen. Dafür war der Sound des Hifi-Systems wirklich sehr angenehm. Kräftiger Bass, keine dumpfen Töne, wirklich gut.

Qualitätsanmutung: Mit dem Stoff auf dem Armaturenbrett als Einsatz und an den Türverkleidungen wirkt es wirklich sehr wertig. Das Armaturenbrett ist gut unterschäumt und fühlt sich wirklich gut an, die Haptik würde ich sogar über der des ID3 einstufen. Auch die Türverkleidungen sind gepolstert. Die Sitze fühlen sich auch sehr wertig an, definitiv nicht billig. Einzig die integrierte Kopfstütze ist nicht so gelungen, meiner Meinung nach. Das Lenkrad ist angenehm von der Größe, dazu sehr angenehm anzufassen. Außerdem sehr wertige Anmutung, auch mit der Chromspange im Lenkrad. Die Lüftungseinstellung wirkt sehr hochwertig, könnte auch aus größeren Autos kommen. Das einzige, was wirklich preiswert, fast billig aussieht, sind die Mitnehmer, um beide Klemmen von den im Armaturenbrett befindlichen, runden Luftausströmern zu bewegen. Das sieht irgendwie schon so aus, als würde das irgendwann kaputt gehen oder zumindest sich aushaken.

Verbrauch + Laden + Reichweite: Die Reichweite bei Abholung betrug 384 km. Ist natürlich für nen Kleinwagen wirklich ein Spitzenwert. In der Stadt war der Verbrauch bei rund 14,2 kWh, Bei einer normalen Mischnutzung lag ich bei rund 17,5-17,7 kWh. Nur auf der Autobahn jenseits der 120 km/h war er doch eher trinkfreudig mit rund 22 kWh.

Tja das Laden. Wie heißt es so schön: Himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt. Das AC Laden ist natürlich mit 22 kw ein wirklicher Kracher. Es sind wirklich nur ein paar Modelle auf dem Markt, der im AC-Bereich so eine Ladeleistung bereitstellt. Aber das DC-Laden. Also es ist nicht total schlecht. Aber für Langstrecke natürlich nur so Semi-Nutzbar. Dafür hat er natürlich viel Reichweite, wo auch eine lange Strecke mit einem großen Ladestop, wo man wirklich was Essen geht, nutzbar wäre. Bei einer kurzen Testladung haben wir 40 km in einer Zigarettenpause nachgeladen. Im Display wird einem alles sehr gut angezeigt beim Laden. Das Laden über den hinter dem Renault-Rombus befindliche Ladeanschluß funktioiniert problemlos. Auch die Kommunikation mit der Säule ging wirklich schnell.

Fazit: Ich muss leider zugeben – der Wagen ist wirklich gut und eine Absolute Empfehlung für jeden, der die Mehrheit im Stadtverkehr fährt und gelegentlich auch Autobahn nutzen möchte. Als reines Autobahnauto ist er wohl eher nicht so geeignet. Was ich aber leider auch sagen muss – ich finde ihn für einen Kompaktwagen zu teuer. Mit vielen Kreuzchen sind schnell knappe 40.000 € auf der Bestellung, was schon nicht ohne ist. Reichweite, Fahrbarkeit, Bequemlichkeit und Anmutung sind aber auf jeden Fall eine Kaufempfehlung wert. Wenn man ein wenig das Fahren gewöhnt ist, ist er sicherlich auch noch sparsamer zu bewegen. Es freut mich auf jeden Fall, den Wagen final doch noch getestet zu haben. Und ich kann viele verstehen, die eine Zoe gekauft haben. Die Angebote bei Renault, teilweise auch in Verbindung mit dem ADAC, sind teilweise wirklich sehr gut. Selbst ich würde ne Zoe fahren, sogar sehr gerne.

Quelle:Dominik König

Bild: Renault


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