Strom Mittwoch 3. November 2021

Testebricht über den BMW iX3

Sehr kurzfristig konnte ich am letzten Wochenende den BMW iX3, allerdings leider noch das Vor- Facelift-Modell, testen. Es war ein sehr netter Empfang bei BMW in Unna und nach einer kurzen Einweisung konnten wir dann auch losfahren.

Außen: Von außen gibt es beim iX3 zugegebenermaßen nicht so viel zu sagen. Der Wagen sieht halt eigentlich wie ein recht normaler X3 aus. Ja sicher, die BMW-Niere ist verkleidet und nicht offen wie bei den Verbrennern, dazu die metallicblauen Applikationen um die BMW-Niere und an den Seitenleisten und am Heck, das war alles, woran man den iX3 erkennen kann. Also alles in allem sehr vertraut, demzufolge aber auch sehr gut verarbeitet.

Ein Panoramadach war beim iX3 auch vorhanden, allerdings mit einer, meiner Meinung nach, doch eher enttäuschend kleinen Öffnung im Verhältnis zur Größe des gesamten Dachs. Was angenehm ist, ist, das man den Kofferraum öffnen und schließen kann durch einen Tritt unter den Kofferraumboden. Wirklich gut – wenngleich er mit dem Schließen etwas verzögert reagiert.

Innen: Im Auto angekommen war auch erstmal recht wenig überraschendes – alles sieht doch sehr vertraut nach einem X3 aus. An einem Ring ums BMW-Logo, einen blauen Streifen am Wählhebel und am blauen Startknopf kann man die Elektroversion erkennen – das war eigentlich auch alles. Alle Bedienelemente waren soweit natürlich wie im X3 auch. Die Sitze waren sehr bequem, allersdings fand ich, dass das Armaturenbrett eher nach Hartplastik mit einer künstlich hinzugefügten Naht aussieht. Beim Anfassen fühlt es sich aber eher wie Leder oder etwas ähnlichem an. Insgesamt war die Verarbeitung aber wirklich gut. Typisch BMW eben.

Sehr angenehm emfand ich aber auch die Rückbank. Meist habe ich das Problem aufgrund meiner Größe, das die Beine doch stark angewinkelt sind und die Knie steil in die Luft gucken. Dies war zum Glück nicht so und somit war das ganze sehr angenehm. Das Getriebe wird wie bei allen anderen X3 mit Automatikgetriebe bedient – allerdings könnte die Reaktion von R auf D und umgekehrt etwas flotter funktionieren. Das man dazu den Knopf auf der linken Seite zum Gang wechseln nutzen muss, ist auch nicht ganz so praktisch.

Fahrleistungen + Rekuperation: Erstmal ein paar Meter fahren, um ein Gefühl fürs Auto zu bekommen. Es ist schon ein großes Auto vom Gefühl. Der Mustang Mach-E als Beispiel ist sicherlich nicht sonderlich kleiner, aber er fühlt sich nicht so an. Beim iX3 wird einem ab den ersten Metern klar : das ist ein GROSSES AUTO. Kurz Beschleunigt – ja durchaus, das hat was. Gerade für ein SUV.

Die Zwischenbeschleunigung war wirklich gut, dazu konnte man noch verschiedene Fahrmodi wählen – von Eco Pro über Comfort zu Sport, mit leichten Unterschieden in der Fahrperformance. Die Rekuperation kann im Menü eingestellt werden, wie man sie unter „D“ haben möchte. Beim Probefahrts-Fahrzeug war sie eingestellt auf „Adaptiv“, was ich wirklich gut fand am Anfang. Leider hat er mir teilweise dann doch zu wenig rekuperiert, sodaß ich glaube in der City auf „B“ für dauerhaft starke Rekuperation, auf Landstraßen und Autobahnen auf „D“ mit adaptiver Rekuperation fahren würde. Fand ich so am angenehmsten.

Beim Fahrtest waren auch bergauf 190 km/h Tacho kein Problem, hat aber naturgemäß dabei auch ganz gut „gesoffen“, wenn auch nur aus dem Akku.

Fahren: Eingestiegen – losgefahren .... oder doch nicht? Nun ja, ich war jetzt von einigen Fahrzeugen gewöhnt, nur die Bremse zu betätigen. Beim BMW leider nicht, also auf den Startknopf gedrückt und dann konnte es auch schon losgehen. Die Geräuschkulisse und somit natürlich auch die Geräuschdämmung hat mich wirklich verblüfft. Bei 130-140 km/h war er immer noch so unglaublich leise, unfassbar angenehm. Leider war beim Wagen dauerhaft ein Geräusch vorhanden beim Beschleunigen und ich habe leider auch nicht gefunden, ob es abschaltbar ist oder eben nicht. Richtig gestört hat es zwar nicht, aber ich fand es auch nicht total Klasse. Ich hätte da gern die Option, das man es ausschalten kann. Möglicherweise geht es auch, habe es dann aber nicht spontan finden können. Die Lenkung war gut, ich würde sagen adaptiv. Was mich wirklich überrascht hat bei der Größe war der Wendekreis. Sehr klein, gerade für ein SUV dieser Größe. Ich könnte mir vorstellen, das es am reinen Heckantrieb beim iX3 liegt, weil dadurch die Vorderräder besser und weiter eingeschlagen werden können.

Der Abrollkomfort war gut, wenngleich ich es mir auch noch ein wenig komfortabler, gerade von einem BMW, vorstellen könnte. Oder eben mit einem adaptiven Fahrwerk. Sportlich war es hingegen gut.

Assistenten: Spurhalte- und Spurverlassensassistent waren gut, wenngleich er manchmal mit dem Lenken zumindest im City-Bereich etwas langsam war. Waren dann aber auch schnellere Wechselkurven. Auf der Autobahn war es überhaupt kein Problem und wirklich sehr angenehm zu nutzen. Das er kleine Warnlämpchen hat im Lenkrad selbst hat mich etwas überrascht, sind aber sicherlich nicht schlecht.

Das vorhandene Headup-Display war sehr gut ablesbar – große Ziffern, und wenn man Navi mitnutzt, verschiebt sich die Tempoanzeige etwas, um daneben das Navi einzublenden mit allen für den Moment wichtigen Infos. Sollte man den Radiosender wechseln, wird einem das auch dort auf dem zweigeteilten Headup-Bildschirm eingeblendet. Finde ich sehr klasse, weil man so viel weniger abgelenkt wird. Toll fand ich die Funktion, das er auch Ampeln erkennt und bei diesen herunterbremst. Leider ist das Ansprechverhalten sehr zögerlich, wenn er wieder losfahren kann bei Grün. Er macht es, aber ich glaube, wenn man das immer nutzt, hassen einen viele, die hinter einem herfahren (2-3 Sekunden vergehen locker, bis er versteht, das er losfahren kann, wenn schon Grün ist). Der Frontassistent bei eingeschaltetem Tempomat in der Stadt reagiert gut, auch wenn man mit höherem Tempo ankommt. Allerdings finde ich, könnte er ein wenig sanfter bremsen (also bei normalem Tempo). Die Verkehrszeichenerkennung hat zwar sehr gut funktioniert und der Wagen hat auch das Tempo daran angepasst – leider wie ich finde deutlich zu spät. Beim herausbeschleunigen hat er wie es sich gehört gewartet, bis er das Schild erreicht hatte. Aber beim herunterbremsen hat er mir das neue Tempolimit angezeigt, sogar wirklich zeitig – aber er hat erst beim Schild begonnen zu verzögern, um das neue Tempolimit zu übernehmen. Da er versucht, nur über Rekuperation zu verzögern, ist es recht langsam, wie er bremst. Dadurch hat man locker 300-400 Meter, teilweise sogar noch mehr, die man dann mit zu viel Tempo in dem geschwindigkeitsbegrenzten Bereich gefahren ist, Und somit immer wieder ein Ticket riskiert. Das sollte besser gemacht werden – hier mal beim ID3 beim Travel Assist gucken, wie es geht. Das hab ich noch in keinem anderen Auto besser gesehen bisher. Die Rückfahrkamera ist wirklich gut, leider finde ich den Bildschirm für ein Auto dieser Preisklasse doch etwas zu klein. Er besitzt eine Frontkamera, Rückfahrkamera und die 360° Kamera. Wirklich toll aufgelöst sind sie auch.

Bedienung: Zur Bedienung gibt es absolut nichts auffälligeszu sagen, es ist halt nen X3. Alles ist sehr einfach aufgebaut, der Wählhebel ist ja schon relativ bekannt und somit keine Umgewöhnung, ihn zu nutzen. Schiebedach, Licht etc haben normale Bedienungen, wo man sie auch vermutet. Die Klimabedienung ist sehr übersichtlich gestaltet, auch wieder nichts anderes als im Verbrenner- X3.

Platzangebot: Nicht fürstlich, aber absolut in Ordnung. Vorne wie hinten sitzt man auf breiten, bequemen Ledersitzen – hinten natürlich eine Sitzbank. Sogar die Seitenwangen in den Vordersitzen ließen sich verstellen. Hinten gibt es mit der Kopffreiheit keine Probleme, auch der Beinraum ist gut. Dazu wie schon erwähnt sitzt man nicht so sehr mit angewinkelten Beinen. Das können andere Elektroautos teilweise auch schlechter. Kofferraum ist groß genug, aber auch kein Raumwunder. Unterm Kofferraumboden ist nur Platz für ein kleines Ladekabel, vorne hingegen ist alles gekapselt. 

Infotainment + Navigation: Das Infotainment in Verbindung mit der Navigation war wirklich gut – es plante bei einer Testplanung nach München sofort die Ladestops mit ein. Was ich wirklich gut fand und bisher bei noch nicht vielen Elektroautos gesehen habe ist, das man sogar die Mindest- Ladeleistung einstellen kann für die Ladestationen, die er mit einplant genauso das man Anbieter von Stationen ausschließen kann. Hat mir wirklich gut gefallen. Die Navi-Anweisungen im Headup-Display waren außerdem alle sehr klar und Problemlos abzulesen.

Die Größe des Displays, auch wenn man es per Touchscreen oder mit i-Drive bedienen kann, ist für meinen Geschmack zu klein. Wenngleich man es gut bedient bekommt. Vor allem, wenn man vorher mal den Mini Elektro oder BMW i3 gefahren ist. Schlecht nicht, aber zu klein für die Fahrzeuggröße.

Die Hifi-Anlage war wirklich gut, Harman Kardon war es in diesem Fall. Nicht so druckvoll wie im Mini, muss es ja auch ein deutlich größeres Auto beschallen. Insgesamt aber ein sehr sauberer, schöner Klang.

Qualitätsanmutung: Bis auf die optische Qualität der Plastikteile und des Armaturenbretts kann ich nicht wirklich etwas nachteiliges finden. Die Haptik der Plastikteile war hingegen deutlich besser, als es vorweg aussah. Die Designnaht, das es wie Leder vernäht aussieht – war in Ordnung, weiß aber nicht , ob das sein muss.

Die Spaltmaße Außen wie Innen waren überall sehr akkurat, habe so beim drüber gucken keine augenscheinlichen Mängel sehen können. Leider wurde auch hier teilweise mit Klavierlack-Schwarz lackierten Oberflächen gearbeitet – was Fingerabdrücke und Staub nur so anzieht. Ich hoffe, man kann diese in den Optionen durch andere Leistenfarben ersetzen. Alles in allem aber eine gute Qualität.

Haubendämpfer für den Frunk sind vorhanden, die Haube ist recht schwer – man muss aber wirklich nur dran, um Wischwasser oder vergleichbares aufzufüllen.

Verbrauch + Laden + Reichweite: Da ich einige Stücke ziemlich zügig gefahren bin, ist der Verbrauch kaum Repräsentativ. Aber auch oder gerade weil ich das gemacht habe, find ich die angezeigten 22,3 kWh durchaus angenehm. Gerade für ein Auto dieser Größe und Leistungsklasse. Bin ein Stück Richtung Sauerland gefahren, dabei auch ein paar Kilometer mit 190 km/h berghoch. Das hat sicher ordentlich am Verbrauch genagt, genauso wie die doch erheblichen Steigungen teilweise. Innerstädtisch waren oft Werte und 14-15 kWh abzulesen, was natürlich sehr angehm wär.

Da es ansich ein normaler X3 ist, befindet sich auch der Ladeanschluß dort, wo Verbrenner-X3 den Tankstutzen haben – hinten rechts. Getestet habe ich die Ladegeschwindigkeit nicht, aus Videos weiß ich aber, das er gut lädt, ein gutes Stück auch mit 150 kw. Was mir wirklich gefallen hat am Auto und der Verbrauch bzw der Reichweite und dessen Anzeige war, das er kaum mehr Reichweite verloren hat als ich an km gefahren bin – auch bei den Vollgasteilen. Das ist doch eher seltener und fand ich sehr angenehm.

Fazit: Der Preis macht hier wohl am meisten aus, ob man sich den BMW leisten möchte oder nicht. Technisch ist er wirklich gut und sogar für die Fahrzeuggröße recht effizient. Das Geld muss man aber für ein nur auf Elektromobilität umgebauten ehemaligen Verbrenner ausgeben wollen, wo man schon einige Fahrzeuge für weniger bekommt, die extra für Elektro gebaut werden. Er bietet alle Vorzüge des normalen X3, gute Platzverhältnisse, schöne Verarbeitungen, gute Effizienz. Für alle, die nicht wollen, das es auffällt, das sie Elektrisch fahren, sicher eines der besten Fahrzeuge. Platz im Kofferraum ist groß genug, Fahrleistungen sind gut, Ladeleistung ebenso. Aber man muss sich das schon wirklich leisten wollen – von den Fähigkeiten her aber absolut empfehlenswert.


Quelle: Dominik König

Bild:BMW


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