Strom Dienstag 13. Juli 2021

Testbericht des Mazda MX-30 von Dominik König

Mitten in der Woche hatte ich dann noch die Möglichkeit, den Mazda MX-30, also den aktuell einzigen rein batterieelektrischen PKW von Mazda, probezufahren. Der Händler war sehr nett, der Termin klappte problemlos. Da ich nun schon Vorerfahrung habe wegen Elektroautos ist auch die Einweisung auf ein Minimum gekürzt.

Außen: Nun, es überrascht natürlich nicht, das der Wagen gerade von vorne die aktuell typische Mazda-Designsprache verkörpert. Soweit finde ich ihn recht ansprechend gemacht. Die kleine hintere Türe, die als gegenläufige Tür wie beim i3 montiert ist, wirkt jedoch schon ziemlich klein. Außerdem sind es doch sehr viele unlackierte Kunststoffteile.

Innen: Innen empfängt einen zuerst mal sehr bequem aussehende Sitze mit braunen Ledereinsätzen, was schon recht edel aussieht. Die Mittelkonsole besteht zum Teil aus Kork, welches aber irgendwie behandelt ist – wahrscheinlich mit Klarlack oder ähnlichem. Fühlt sich auf jeden Fall etwas merkwürdig an. Der obere Teil der Türverkleidungen ist aus irgendeinem recyclten Material, fühlt sich ein wenig wie beim i3 an. Die Kopfstützen stehen nicht, wie heute bei manchen Modellen, etwas zu sehr hervor. Dafür sind sie doch recht hart ausgelegt. Der Wählhebel zum Getriebe ist ein wenig merkwürdig, weil man doch für's Fahren in eine 2. Gasse muss. Geht natürlich, aber ist etwas gewöhnungsbedürftig.

Fahrleistungen + Rekuperation: Die Fahrleistungen des MX-30 sind maximal durchschnittlich. Er ist ganz ok motorisiert, beschleunigt auch ganz gut. Aber leider auch nicht wirklich mehr. Rekuperieren kann er gut – man kann den Wagen scheinbar in 2 Stufen rekuperieren lassen – dazu hat er noch eine neutrale Stellung für die Rekuperation und nochmals 2 Stufen für's Segeln. Das fand ich wirklich gut abgestuft. Und segeln kann er genauso gut wie die Rekuperation.

Fahren: Nun ja, das fahren. Die Geräuschdämmung, was man im Stand bemerkt und beim Rollen lassen, ist wirklich absolut top. Aber WIIEESSOOOO nur, muss dieses nachträglich eingebrachte, sehr aufdringliche und nicht abstellbare Beschleunigungsgeräusch sein? Es klingt zwar anfangs irgendwie lustig wie im TV bei Raumschiff Enterprise der Worp-Antrieb. Aber ganz ehrlich, das stört wirklich das gesamte Bild des Fahrzeugs. Zum Glück sagte mir der Händler dazu, das die jetzt ausgelieferten Fahrzeuge es nicht mehr haben und die Händler demnächst auch passende Software bekommen, damit jeder Händler es bei Bestandsfahrzeugen auf Kundenwunsch auch beseitigt werden kann. Was ich gut fand am Fahren war, obwohl keine Super-Leistung des Antriebs, das er genauso spontan Antritt wie man es von einem Elektroauto erwartet, nämlich SOFORT auf direkten Gasbefehl. Natürlich eben nicht super Spritzig, aber dennoch total ausreichend. Ich nutze dafür immer das kurzfristige Einfädeln in die Nebenspur, wenn man vor sich in der City einen Stau erkennt und an diesem vorbei möchte. Das kann der Wagen eben super, gerade im Vergleich zu den PSA Fahrzeugen mit ähnlicher Leistung. Das der Händler mir sagte, das er sehr auf Komfort ausgelegt ist, kann ich definitiv deutlich unterstreichen. Der Federungskomfort ist absolut Klasse. finitiv das komfortabelste Federungsverhalten aller bisher gefahrenen Elektroautos. Wie leise und samtweich er abrollt ist schon wirklich fantastisch. Kopfsteinpflaster ist nur zu hören, wenn man das Fenster öffnet, Bodenwellen etc alles nur zu hören, aber nicht zu spüren. Der unglaublich große Radstand trägt da sicherlich einiges dazu bei.

So lange man nicht beschleunigt, ist die Akustik wirklich super. Das Tempo auf der Autobahn, sagen wir 110-130 km/h, ist dann doch nervig laut, weil eben dieser animierte Ton ständig präsent ist und auch nicht vom Radio übertönt werden kann. Der Ton wird bei lauterer Musik notfalls sogar noch in der Lautstärke angepasst. Das größte Problem für ein Auto, das dem Händler zufolge und auch der Größe und Reichweite meist im Urbanen Bereich unterwegs ist, ist ganz klar die Übersichtlichkeit. Hinten ist er durch sehr dicke Säulen und sehr kleine Fenster sehr sehr dunkel geraten. Ein Panoramadach gibt es – zumindest im Testwagen – nicht. Man kann auch seitlich kaum rausgucken vernünftig, wenn man sich auf eine Landstraße einsortieren möchte. Das alles find ich eher unpraktisch – und das eben page1image46127104 page1image46128064 page1image46128640 page1image46127296

gerade für den City-Bereich sehr schade. Was mir noch aufgefallen ist, ist, das die Außenspiegel sich sehr weit hinten verhältnismäßig, also eher neben einem befinden.

Assistenten: Das Headup-Display ist sehr angenehm groß, dazu werden auch die Tot-Winkel- Warnungen als Halbmonde dargestellt – super! Der adaptive Tempomat lief ebenfalls sehr problemlos – sehr einfach einzustellen und funktionierte sehr gut – auch der Abstand lies sich sehr einfach einstellen.

Der Spurhalteassistent jedoch hatte so seine Schwierigkeiten. Zwar lenkte er zurück in die Spur, als er ein Überfahren der Außenmarkierung wahrgenommen hat. Leider aber so weit, das man dann so stark richtig Gegenspur steuert, das man sofort wieder zurücklenken muss. Das war nicht richtig gut.

Bedienung: Dder Wählhebel für's Getriebe ist ein wenig merkwürdig gestaltet, denn es erinnert mich eigener Gasse für die Fahrstufen und nach links zur Park-Position mehr an ein Automatikhebel. Die Tasten im Lenkrad sind nicht zu viele, einfach und übersichtlich dargestellt und verwechslungssicher. Außerdem gibt es da auch keine Doppelbelegungen. Das Auto lies sich ansonsten auch ohne eine Einweisung sehr einfach bedienen. Die Spiegel sind, wie schon erwähnt, zwar groß, aber ziemlich weit Richtung Fahrer hin montiert. Ansich kein Problem, aber ein wenig merkwürdig, das die Spiegel doch so weit vorn zu sehen sind.

Platzangebot: Vorne kann man das Platzangebot auf jeden Fall großzügig bezeichnen. Auch wenn es nicht wie in manchen Elektroautos ohne Mitteltunnel auskommt oder eine freie Gasse hinterlässt. Die Mittelkonsole hat 2 ebenen, die zum Teil mit Kork bedeckt sind oder eben aus diesem Material gemacht sind. Leider sieht es durch irgendeine nicht genauer definierbare Beschichtung sehr künstlich aus. Hinten konnte ich nicht mal versuchen, mich hinzusetzen. Ich habe dann jemanden gefunden für diesen Test. Leider aber ist schon der Einstieg kaum sinnvoll für einen mittelmäßig großen (1,68 m) Erwachsenen möglich. Es dauert wirklich lange, um sich hinten reinzuzwängen. Außer man verstellt jedes Mal den Sitz vorne, damit das geht. Beim Aussteigen widerum neigt man dazu, wenn man schon bestraft wurde und hinten gesessen hat, das man sich den Kopf ordentlich anstößt am Verriegelungszapfen für die Selbstmörder-Tür, bzw an dessen Gegenstück in der Karosserie. Der Kofferraum ist soweit in Ordnung, auch wenn nicht ebenerdig ausgeführt. Einen Frunk gibt es bei dem Fahrzeug nicht, obwohl der Motor sehr klein ist und kaum Platz wegnimmt.

Infotainment + Navigation: Navigation war im Testwagen vorhanden, die Karte aber doch sehr klein oben auf dem Armaturenträger.

Qualitätsanmutung: Die Materialien im Auto sahen überwiegend sehr gut aus. Das Leder fühlte sich schön an, der Armaturenträger war sehr weich gepolstert, dazu eine Naht auf dem Träger. Die Türverkleidungen sind soweit auch gut verarbeitet, jedoch der obere Teil war aus recyceltem Material und fühlte sich ein wenig hart und rau an.

Die Spaltmaße sind soweit ich es beurteilen konnte gut – die Motorhaube ist nicht schwer aber doch etwas größer. Um jedoch die Haltestange von der Motorhaube wieder aus selbiger herauszulösen war wirklich ein Kampf. Das hat mir absolut nicht gefallen – da es aber dort keinen Frunk gibt, ist es evtl doch verschmerzen.

Verbrauch + Laden + Reichweite: Nun, der Verbrauch. Ich glaube nicht, das die 30-35 km wirklich eine gute und repräsentative Strecke darstellt. Dennoch muss ich sagen, bei guten 85% Stadtverkehr der Verbrauch mit 20,5 kWh laut Display wirklich ziemlich hoch war. Die Ladeleistung, die ich aufgrund zeitlicher Begrenzung der Fahrt nicht überprüft habe, ist definitiv page2image45694976 page2image45695168 page2image45695360 page2image45695936 page2image45696128 page2image45695552

enttäuschend und eine der schlechtesten, die aktuell bei den auf dem Markt befindlichen Fahrzeugen zu finden ist. Zumindest ist dies so in ziemlich vielen Youtube-Ladevideos kommuniziert. Meist wird nur 30-33 kw realisiert – dies auch nur für eine kurze Zeit, um danach wieder abzufallen. Einphasige Ladung sind laut Händler nur mit 3.6 kw maximal zu realisieren.

Fazit: Leider überwiegen die Nachteile den Vorteilen deutlich. Positiv hervorheben möchte ich die Geräuschdämmung, die auch die Abrollgeräusche sehr gering halten. Das Platzangebot vorne ist ebenfalls in Ordnung. Dazu kann ich außerdem nichts schlechtes soweit zur Verarbeitung sagen. Leider sind als Nachteile zu finden, das er eine sehr bescheidene Ladeleistung hat – und selbst der maximal erreichbare Wert ist absolut enttäuschend. Verbrauch ist nicht total schlimm, aber eben auch nicht Klasse, wenn man den Wagen als urbanes Modell anbietet. Dazu kommt noch, das er hinten wirklich nicht mal für Kinder im Teenie-Alter brauchbaren Platz bietet, wenngleich diese hinten wohl besser rein kommen.

Ich würde das Fahrzeug daher leider nicht empfehlen, egal ob der künstliche Motorsound beim Händler demnächst deaktivierbar sein wird oder nicht.

Quelle: Dominik König.

 

Bild:Mazda

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