Strom Donnerstag 16. September 2021

Testbericht über das Model Y Long Range von Tesla


Nachdem es beim Vorstellungstermin doch ziemlich Voll gewesen ist, hab ich mich dann bei Tesla um eine Probefahrt mit dem neuen Tesla Model Y Long Range gekümmert. Da es ziemlich voll war, bin ich erstmal bei Tesla vom Gelände gefahren.

Außen: Natürlich kann auch das Model Y seine Modellfamilie nicht verleugnen. Entgegen den Bildern finde ich den Wagen optisch sehr stimmig, wenn er vor einem steht. Es fällt auf jeden Fall auf, dass das Model Y wesentlich wuchtiger daher kommt, als ich gedacht hätte. Von vorn sieht man ein wenig, das er oberhalb der Windschutzscheibe, also beim Glasdach – nicht mehr gleichförmig nach hinten geht sondern ein wenig mehr Kuppelartig. Sieht aber dennoch wirklich gut aus. Am Heck sieht man einen integrierten Heckspoiler, der im Heckdeckel integriert ist und so eine steilere Abrißkante bildet. Die Spaltmaße waren, soweit ich es auf dem kurzen Test sehen konnte, soweit in Ordnung. Definitiv auf den ersten Blick besser als beim Model 3.

Innen: Der Innenraum ist zwar der gleiche, cleane Innenraum wie beim Model 3. Allerdings überall deutlich gewachsen. Mehr Beinraum hinten, mehr Armauflage auf den Türverkleidungen, mehr Kofferraum. Eben überall. Das Armaturenbrett ist ebenfalls aus dem Model 3 bekannt, genauso wie der fehlende Tacho, die Luftdüsen, die nicht zu sehen sind oder auch der große Bildschirm. Das Lenkrad ist axial und vertikal verstellbar. Aufgrund der doch großen Höhe innen fällt trotz der Dachlinie hinten keine Kopffreiheit weg. Das Glasdach hat außerdem keine Querstrebe mehr.

Fahrleistungen + Rekuperation: Wohl nicht ganz so schnell wie das Model 3 Long Range, aber absolut ausreichend. In 5 Sekunden marschiert das aktuelle Einstiegsmodell auf Tempo 100. Verzögerungsfrei wieder einmal. Immer wieder ist die Leistung vorhanden, gar kein Problem. Beim Model Y muss man allerdings bei der Höchstgeschwindidigkeit mit „nur“ 217 km/h ein paar Abstriche gegenüber dem Model 3 Long Range machen. Die meiner Meinung nach aber zu verschmerzen sind.

Die Rekuperation beim Tesla ist nicht einstellbar – dennoch sehr gut nutzbar. Nur bei absolut vollem Akku ist die Rekuperation begrenzt, weil er wegen dem vollen Akku nirgends hinrekuperieren könnte. So muss am Anfang ein kleines bisschen mehr das Bremspedal betätigt werden. Und natürlich schafft er es auch, bis zum Stillstand zu rekuperieren. Ein wirklich sehr angenehmes Fahren und sicher auch ein Grund, warum bei vielen Model S die Bremsanlage erst so spät ersetzt werden muss.

Fahren: Allradantrieb, feuchte Straßen, über 350 PS – aber absolut keine Probleme. Auch nicht in schnellen Wechselkurven. Was mich aber zugegeben am meisten begeistert hat beim Fahren mit dem Model Y im Vergleich zum Model 3 ist der deutlichst spürbare akustische Unterschied. Der Wagen ist um Längen leiser geworden. Sowohl beim gesamten Abrollgeräusch, was laut Tesla- Verkäufer wohl an besser gedämmten Radhäusern liegt, als auch direkt an den Scheiben, obwohl sie ja immer noch rahmenlos sind. Unglaublich angenehm fand ich die extrem breite Auflagefläche für den Arm auf der Türverkleidung. Ich habe selten Verkleidungen, wo ich da meinen Arm im ganzen problemlos drauf „parken“ kann. So oder so, der Wagen ist immer mit mehr als genug Reserven ausgestattet, zieht eigentlich immer weg. Das er sich mit einem kleinen Ton bemerkbar macht, wenn die Ampel grün wird, finde ich praktsich. Am meisten geflasht hat mich aber wirklich dieser akustische Unterschied zum Model 3. Das ist gefühlt wirklich ein Unterschied wie Polo und Passat bei den Innengeräuschen.

Assistenten: Der adaptive Tempomat funktionierte problemlos. Auch der Spurassistent war kein Problem, selbst große Biegungen waren super. Leider war die Ampel und Stop-Funktion ausgeschaltet, aber auch die finde ich extrem gut, wo der Wagen an der Ampel selbst stehen bleibt (und natürlich an Stop-Schildern) und auch selbst wieder anfährt. Da könnte er nur etwas schneller reagieren, wenn Grün wird.

Die Rückfahrkamera und die beiden Seitenkameras sind natürlich genial, aber auch nicht Tesla-Eigen.

Bedienung: Nachdem ich nun schon einige Tesla gefahren bin, war für mich die Bedienung absolut intuitiv und ich wusste, wo sich alles befindet. Das man zum Aussteigen nen Taster drücken muss, ist zwar neu, aber irgendwie auch cool. Genauso wie die ganzen Sprachbedienfunktionen. Wenn man das einmal weiß, stört es auch nicht, das der Wischer nicht mit nem Hebel bedient wird. Allerdings war es gut, das ich schon Tesla gefahren bin. Irgendein Spaßvogel vor mir hat den Regensensor deaktiviert.

Die bekannte RFID-Karte wird vor die Mittelarmlehne gelegt, dann kann gestartet werden. Einfach indem man die Bremse tritt und den Wählhebel betätigt. Kein Startknopf, nix. Dann wären da noch die Verstellungen für Lenkrad und Außenspiegel – find ich über die Drehregler im Lenkrad ein wenig kompliziert, allerdings verstellt man es ja auch nicht ständig. Und da man Fahrerprofile zum Speichern erstellen kann, kann man es darüber wieder abrufen.

Platzangebot: Das ist definitiv deutlich gewachsen gegenüber dem Model 3. Vorne ist es jetzt recht luftig – vor allem in der Innenbreite und nach oben. Wirklich klasse. Aber das große MEHR an Platz befindet sich vor allem hinten. Die Kopffreiheit wird, auch wenn das Dach immer noch leicht kuppelförmig ist, hier nicht wirklich eingeschränkt. Die Beinfreiheit ist auch deutlich gewachsen. Schön ist, das man die hinteren Sitze in der Neigung verstellen kann. Man hat zwar nur 2 verschiedene Stellungen – also normal und Komfort sozusagen, aber finde ich zum Reisen sehr angenehm.

Dann der Kofferraum. Meine Güte, ist der größer als beim Model 3. Unter dem Kofferraumboden ist schon noch ein Fach, was manche gern als Kofferraum hätten. Dazu generell ein wirklich großer Kofferraum, der mittels 2 Taster links im Kofferraum, aber perfekt in Bedienhöhe, erweitert werden kann. Die Lehnen klappen dann elektrisch nach vorne. Mit einem gut verständlichen Bild versehen, welche Seite man nun genau gerade umklappt. Der größte Vorteil dürfte aber nicht nur das Mehr an gewonnenem Platz sein, sondern vor allem durch die große Heckklappe das gewonne Mehr an Einlademöglichkeit. Man muss es nicht durch eine kleine Luke heben und verstauen, sondern hat die ganze Heckklappe die weggeht, nicht nur ein Heckdeckel.

Infotainment + Navigation: Ziemlich einfach zu nutzen alles – selbst Liedersuche geht über den rechten Dreh-Drück-Button im Lenkrad. Einfach Songtitel sagen – das Auto spielt ihn über Spotify ab. Dazu gibt es nach wie vor Spiele für die Ladepause, Karaoke-Games und vieles Mehr. Eben das gesamte Tesla-Aufgebot an Entertainment.

Die Navigation mit dem Planen der Ladestops etc ist absolut perfekt. Man sieht sogar genau, mit wieviel Akku man ankommt. Aus den vorherigen längeren Fahrten weiß ich, das die Berechnung des Akkustands am Ziel eher konservativ ist und somit eher von mehr Verbrauch ausgegangen wird, als es letztendlich ist. Finde ich gut, so kommt man nicht wirklich in Probleme. Das Display ist wie gewohnt quasi geteilt – einmal links für die Fahrinformationen wie Verbrauch, Geschwindigkeit etc, und rechts die Navigationskarte. In der Fahrzeugansicht sieht man die Fahrzeuge, die neben einem sind genauso wie zum Beispiel die Ampeln und Stopschilder – und wenn man grad kurz unaufmerksam ist, piept der Wagen einmal, wie schon erwähnt, wenn die Ampel grün wird. Einfach genial.

Qualitätsanmutung: Absolute Verbesserung zum Model 3, was ich früher getestet habe. Innen ist alles sauber verarbeitet, soweit man es auf den ersten Blick sieht. Natürlich habe ich den Wagen nicht ins kleinste Detail durchgeguckt. Dafür ist die 30-45 min Probefahrt bei Tesla einfach zu wenig. Das Schwarz sah dazu sehr edel aus und dennoch irgendwie sportlich. Allerdings glaube ich, das hier Spaltmaße eher schwierig zu sehen sein werden. Zumal schlechte Voraussetzungen: Zeitdruck, Schwarzer Lack, Regen – absolut nicht perfekt dafür. Aber insgesamt wirkte er deutlich hochwertiger als der getestete Model 3 vor einigen Monaten bei Tesla. 

Verbrauch + Laden + Reichweite: Um den Verbrauch wirklich realistisch beurteilen zu können, muss man den Wagen sicherlich länger bewegen. Ich bin ihn mit 23 kWh gefahren. Der Durchschnitt über die 1090 km, die der Wagen alt war, lag bei 19,2 kWh. Ich denke, das ist dann doch das Realistischere. Wie gut die Model Y laden und ob sie genauso laden können wie die Model 3 mit dem großen Akku weiß ich aktuell leider noch nicht. Habe hierzu noch keine Ladevideos finden können dazu.

Fazit: Definitiv kann ich sagen ist das Model Y seinen Aufpreis Wert. Mehr Innenbreite, mehr Beinfreiheit hinten, dazu komfortabler durch verstellbare Rückenlehne hinten. Und dieser Kofferraumplatz. Alleine für den Komfort des leichten Einladens ist er es fast wert. Wirklich zu empfehlen. Ich bin gespannt, ob auch noch nen Standard Range auf den Markt kommen wird, da ja aktuell der Long Range der „Kleinste“ ist.

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Quelle: Domink König

Bidl: Teslamag

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