Strom Mittwoch 14. Juli 2021

Testbericht über den ID.3 von Dominik König

Natürlich durfte auch der VW ID3 nicht fehlen. Getestet habe ich ein 1st Edition Modell mit den 204 PS und 58 kWh Akku.

Außen: Er sieht schon ein wenig wie ein rundgelutschter Golf an. Aber soweit man sehen konnte, keine Verarbeitungsprobleme, gut passende Spaltmaße. Jedoch hört man häufiger, dass das Designelement hinter der hinteren Tür nur geklebt ist und häufiger in den Waschstraßen sich löst

Innen: Leider ziemlich billig wirkende Plastiklandschaft. Die Türverkleidungen sehen aus und klingen bei einem Klopftest wie Lieferwagenqualität. Das obere Armaturenbrett ebenfalls, einzig die direkt mit den Fahrgästen in Kontakt kommenden Flächen sind etwas unterschäumt.

Fahrleistungen + Rekuperation: Die Leistung war absolut in Ordnung, kein Reißer aufgrund des Gewichts, aber durchaus ziemlich fix der ID3. Das schöne, das er viel rekuperiert habe ich auch sehr genossen.

Fahren: So viel ich auch gegen dieses Auto habe, auf den ersten Metern muss ich sagen, er macht die Sache wirklich gut. Aufgrund des Heckantriebs und des Heckmotors fährt er sich auch sehr agil, die vielen Kilos versteckt er ganz brauchbar, natürlich wegen dem Akku auch ein schön niedriger Schwerpunkt. Der Geräuschkomfort ist, von den von mir getesteten Fahrzeuge, bisher eines der leisesten. Ist wirklich sehr angenehm ruhig, der ID.3, selbst bei höherem Autobahntempo. Das er Trommelbremsen hinten hat macht für mich sogar durchaus Sinn. Die E-Autos verzögern einfach kaum über die Betriebsbremse, und in sofern ist eine gekapselte Trommelbremse hinten weniger anfällig gegen Rostbildung als eine Scheibenbremse. Und die Verzögerungswerte passen auch, daher kein Problem, in meinen Augen. Was die Übersichtlichkeit auch sehr erhöht hat, sind die kleinen Fenster vor den normalen Seitenscheiben, um die A-Säule schmaler zu halten, auch wenn man sie dadurch geteilt hat. So ist aber der Tote Winkel, gerade um zB Fußgänger oder Radfahrer zu sehen, minimiert. Toll umgesetzt an dieser Stelle.

Assistenten: Ich habe beim losfahren beim Händler sofort gemerkt, das er ebenfalls den Travel Assist besitzt, den auch schon der Skoda zuvor hatte. Sehr angetan war ich von der Sicherheit. Zum Beispiel erkennt er, wenn das Fahrzeug vor mir nicht losfährt und warnt, auch mit dem ID-Licht knapp unterhalb der Windschutzscheibe mit rotem Blinklicht. Sehr gute Warnwirkung, wirklich top. Die Kamera hingegen wird nach hinten doch sehr spitz zulaufend, da wird das erkennen der passenden Lücke durchaus ein Problem.

Bedienung: Die Bedienung gestaltete sich durchaus einfach, wenngleich an einigen Stellen doch sehr verkompliziert. Einerseits ist es angenehm, das man nur einsteigen muss, Bremse treten und der Wagen ist sofort „ready“. Und ausschalten muss man auch nicht. Einfach „P“ drücken, dann aussteigen, fertig. Sehr praktisch. Die Bedienung im einzelnen halte ich schlichtweg für unsinnig an einigen Stellen. Zum Beispiel beim Licht, auch wenn man es normal auf „Auto“ stehen lässt – ohne haptisches Feedback finde ich es sehr schlecht. Man muss halt beim Bedienen hinsehen. Beim Skoda war der gleiche Schaltblock verbaut, aber eben mit kleinen Kanten zwischen den einzelnen Ebenen, so war eine blinde Bedienung möglich, einmal gewusst, wo sich was befindet. Dann die Lenkradtasten: Angenehme Idee, einfach eine Klavierlackplatte zu haben, die verschiedene Funktionen beherrscht. Aber mal ehrlich – einen Tempomatschalter oder Taster, egal ob adaptiv oder normal, will ich blind beim Fahren bedienen können, und nicht hingucken müssen. Beim VW absolut unmöglich, auch nach langem Gewöhnen, die Tasten blind zu finden. Find ich fragwürdig, wer solch ein System abgenommen hat, ehrlich. Also seitens VW, nicht was die Zulassung betrifft. Der Wählhebel zum Beispiel, ähnlich ausgeführt wie beim BMW i3, ist durchaus praktikabel. Übersichtlichkeit ist in Ordnung, könnte aber besser sein.      

Platzangebot: Das Platzangebot ist trotz der doch recht geringen Abmessungen sehr angenehm undgroßzügig. Es wird zwar von Passat Größe gesprochen, aber ich denke, ein bisschen weniger isses schon. Aber immer noch sehr angenehm. Den fehlenden Frunk muss ich auf jeden Fall sehr kritisieren. Alleine schon, da man dort die Ladekabel transportieren kann, wenn man den Kofferraum für den Urlaub voll hat. Das ginge besser.

Infotainment + Navigation: Der ganze Spaß fing schon damit an, das ich den Bordcomputer zurücksetzen wollte. Über ein paar Menüebenen habe ich es dann geschafft, finds aber etwas kompliziert. Dann die Bedienung mittels digitalem Schieberegler. Die Ausführung finde ich eher suboptimal, weil man auf die Kante, wo sich der Lautstärkeregler befindet, die Hand zum Bedienen des Touchscreens ablegt. So muss man entweder die Hand krampfhaft in der Luft halten beim Bedienen oder man ändert oft versehentlich die Lautstärke. Softwareabstürze gibt es wohl einige, allerdings lief bei meiner Probefahrt alles problemlos. Außerdem wird das ID-Licht benutzt, um anzuzeigen, das es neue Navigationsanweisungen gibt. Ebenfalls gut für alle, die die Stimme des Navis abschalten.

Qualitätsanmutung: Das er vorne für die Haube keinen Gasdruckdämpfer mehr besitzt, finde ich an sich nicht schlimm, da dort eben auch kein Frunk angeboten wird. Aber für die Preisklasse doch eher unangenehm. Die verbauten Materialien allerdings, die Verbaut wurden, gerade im Innenraum, lassen teilweise wirklich zu wünschen übrig. Die Alcantara-Sitze im Testwagen fand ich sehr schick, waren auch unglaublich bequem. Wirklich nicht schön fand ich die obere Leiste der Türverkleidungen, die wirklich nahezu null unterfüttert waren und eher Lieferwagen, also VW T5 Cargo-Like, sich anfühlten und eben auch ausgesehen haben. Vieles aus Plastik sieht leider ziemlich billig aus und das passt nicht zum Anspruch eines Autos dieser Preisklasse.

Verbrauch + Laden + Reichweite: Was die Effizienz angeht war ich durchaus sehr angetan. Lag im Schnitt über knapp 100 km bei rund 15,8 kWh. War ob der gebotenen Leistung und auch ausnutzen der Höchstgeschwindigkeit, auch wenn nur kurz, sehr in Ordnung, ich war sogar eher ein wenig überrascht. Außerdem habe ich nach Anzeige weniger Reichweiten-Kilometer verbraucht, als ich effektiv gefahren bin. Das hat mir sehr positiv gefallen. Laden ist ebenfalls sehr fix gelöst, und hier nicht Aufpreispflichtig, außer in der 45 kWh Version. Da gibt es ab Werk nur 50 kw und gegen Aufpreis die 100 kw.

Fazit: Insgesamt war ich aber sehr zufrieden mit dem ID.3, anders als meine Befürchtungen vorher waren. Ich würde den ID.3 durchaus empfehlen. Die bekannten Softwareprobleme müssen in den Griff bekommen werden und für ein Facelift wären bessere Materialien im Innenraum wünschenswert. Aber das war es auch eigentlich schon.

Quelle: Dominik König

Bild:VW


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