Strom Freitag 23. Juli 2021

Testbericht über den Jaguar I-Pace EV 400 von Dominik König

Obwohl ich es nicht gedacht hätte, aber ich habe es dennoch geschafft, das ich für 3 Stunden ein Jaguar I-Pace EV400 probefahren konnte. Der Kontakt über die Homepage und hinterher über den Probefahrtservice telefonisch war sehr freundlich, es wurde nach allen Möglichkeiten abgeklopft, was der Wagen bei einer Testfahrt haben sollte und ebenfalls, ob 3 Stunden Probefahrt ausreichend sind. Beim Händler Samstag morgens angekommen, habe ich dann ohne sehr lange Einweisung den Wagen zur Verfügung gestellt bekommen. Alles lief sehr freundlich aber auch einfach ab. Sehr netter Kontakt. Natürlich wurde ich auch hier gefragt, ob ich schon Erfahrung im Umgang mit E-Autos habe. Er hat mir dennoch kurz das Auto gezeigt, sei es Spiegelverstellung, Klimabedienung und Sitzverstellung.

Außen: Nun, es ist natürlich ein Jaguar. Obwohl er absolut nicht viel von einer typischen Jaguar- Optik hat, so kann man den Wagen sofort als Jaguar ausmachen. In der Fronthaube befindet sich eine Belüftungsöffnung, die eigentlich erstmal so keinen Sinn ergibt. Beim Öffnen der Fronthaube aber stellt man fest, das der Wagen durch den Kühlergrill Luft durchlässt, die dann durch die Öffnung in der Motorhaube entweicht. Bei höheren Tempo könnte ich mir durchaus vorstellen, das es aerodynamische wie auch möglicherweise fahrdynamische Vorteile bieten könnte.

Die Türgriffe fahren aus, sobald der Wagen entriegelt wird. Zur Verfügung stehen dann große und kräftige Bügeltürgriffe, was mir sehr gut gefallen hat. Er hat eine relativ hohe, geschwungene Gürtelline, jedoch für ein Fahrzeug im SUV Segment ist er doch eher flacher. Die gesamte Front wirkt sehr bullig und verleiht dem Wagen sicherlich auch ein gewisses Überholprestige. Durch den Dachkantenspoiler wird ebenfalls die Luft geführt, sodass sie auf die Heckabrisskante trifft, um den Wagen etwas nach unten zu drücken bei höheren Geschwindigkeiten.

Innen: Sobald man die Tür öffnet, ist es klar ein Jaguar. Edeles Leder, auch weich gepolsterte und bezogene Türverkleidungen und Armaturenbrett, wirklich sehr angenehm. Die Türeinstiegsleiste ist mit einer Edelstahlleiste versehen mit dem Jaguar-Schriftzug. Geprüft, ob wirklich Edelstahl habe ich nicht, es sieht aber sehr wertig aus und kommt einem nicht wie ein Aufkleber vor. Die Sitze besitzen in der Kopfstütze den stilisierten Jaguar, was sehr gut aussieht und auch sehr schön verarbeitet ist. Das Leder ansich ist sehr angenehm weich, ähnlich der Haptik aber sehr der Lederqualität des Mustang Mach-E. Zumindest vom Gefühl her. Die Kommandozentrale sieht sehr übersichtlich aus. Jedoch finde ich für ein aktuell angebotenes Auto das Navigationssystem doch extrem klein dargestellt für den Platz, den es in Anspruch nimmt.

Insgesamt sind 3 Bildschirme verbaut – einmal als Kombiinstrument, dann Navigation und für die Klimabedienung ebenfalls. Der Sitzheizungsschalter mit dem Klimadrehregler zu Kombinieren finde ich sehr praktisch, obwohl ich dachte, das es zu mehr Verwechslung führen könnte. Allerdings sind die Versteller recht wertig und haben einen gut definierten Druckpunkt. Das vereinfacht das Bedienen enorm. Die Klavierlack-Fläche vor dem Beifahrer – ob sie eine Funktion hat habe ich leider nicht herausfinden können – ist leider bei stärkerem Sonnenschein leider eine extreme Blendquelle, auch für den Fahrer.

Das Lenkrad fasst sich sehr schön an, ist allerdings deutlich härter und nicht so weich gepolstert wie im Mustang Mach-E. Durch das weichere Leder im Mustang am Lenkrad fühlte es sich deutlich angenehmer an. Außerdem fand ich Schade, das die Lenkradspeichen im Jaguar nur lackierte Plastikblenden sind und nicht wirklich aus Metall – Schade.

Oberhalb auf dem Armaturenbrett über dem Kombiintrument ist sehr weiches, gut unterschäumtes Material zu finden, wobei ich nicht direkt glaube, das es Leder ist. Beifahrerseitig ist leider ein geriffelter Bereich angeordnet, der sich dann nicht mehr so wertig anfühlt, wobei er ebenfalls weich gepolstert ist.

Dadurch, das sehr viel Klavierlack im Cockpit dominiert war es sichtlich ein Staubmagnet. Positiv muss ich aber die Getriebebedienung erwähnen – diese war wirklich absolut verwechslungssicher gebaut. Hinten war das Platzangebot in Ordnung, nur für mich mit 1.84 m Größe in der Höhe doch etwas eingeschränkt.  

Ähnlich wie beim Polestar 2 war das Dach komplett als Panoramadach ausgeführt. Im Vergleich zum Polestar jedoch wurde hier zumindest das Glas recht warm, was ich beim Polestar so nicht feststellen konnte – obwohl ähnliche Temperaturen. Eine Ablage fürs Handy gibt es auch noch – quasi hinter und unter dem Klimadisplay. Ist schon ziemlich versteckt. Man kann leicht reinlinsen und sehen ,wenn ein Anruf oder eine Nachricht kommt, aber das war es auch schon.

Fahrleistungen + Rekuperation: Zu den Fahrleistungen kann ich sagen – sehr spritzig, unglaublich viel Antritt in eigentlich jeder Lebenslage. Jedoch hätte ich mir von 400 PS etwas mehr erwartet. Natürlich wiegt der Wagen viel, aber dennoch. Leistung vermissen wird man aber niemals in diesem Auto. Topspeed waren gut zu fahrende 208 km/h nach Tacho, was wohl den echten 200 km/h Abregelgrenze entspricht. Das ganze war zwar noch zu fahren, aber eigentlich ein wenig zu laut als Reisetempo, selbst wenn man mal fix irgendwo hin fahren möchte. So bis 160 km/h fühlte sich der Jaguar am wohlsten. Der Verbrauch allerdings bei Topspeed in der Momentananzeige war echt nicht von schlechten Eltern – ich habe da zeitweise über 60 kWh verbraucht. Wenn man das Tempo mal 100 km durchziehen könnte nachts zB auf Reisen, is der Akku schon fix leer.

Die Rekuperation ist beim Jaguar nicht einstellbar und rangiert leicht unter Tesla-Stärke. Ist aber absolut gut, damit auch als One-Pedal zu fahren.

Fahren: Das Fahren mit dem Jaguar ... zunächst mal muss ich wirklich das Beste am Fahrzeug beim Fahrverhalten anmerken, nämlich das Fahrwerk. Luftfederung ist hier wirklich das Maß der Dinge, sehr angenehm im Komfort-Modus, aber auch sportlich straff im Sport-Modus. Sehr gelungen. Generell liegt der Wagen sehr satt auf der Straße, trotz des hohen Fahrzeuggewichts aber aufgrund der Batterie niedrigen Schwerpunkt war das Kurvenverhalten wirklich super.

Eine Sache hat mich wirklich gestört, kann aber auch nur ein Software-Bug sein. Und zwar ist der Wagen nach jedem Ausschalten auf Meilen-Anzeige umgesprungen, was man erst mühsam wieder umstellen musste. Also die Messwerte, gefahrenen km, Kilometerstand und so – der Tacho selbst nicht.

Was mir jedoch gleich zu Begnn, bei Abfahrt bei Jaguar aufgefallen ist – der Wendekreis ist mit 12 Metern doch wirklich groß geraten. Selbst Wendemanöver auf einer Landstraße beeinhaltet fast grundsätzlich ein Zurücksetzen. Das Fahren ansich war sehr leichtgängig, die größe des Lenkrades passte sehr gut zum Auto.

Die Lautstärke ist wirklich angenehm, nur auf wirklich schlechten Straßen sind die Abrollgeräusche doch etwas penetranter. Bis ungefähr 160 km/h ist ein angenehmes Fahren damit, danach wird er doch etwas laut, finde ich. Allerdings ist das schon Meckern auf hohem Niveau, das liegt aber auch am Aufgerufenen Preis des Jaguar.

Assistenten: In unserem Fall ist ein Headup-Display verbaut gewesen. Dieses war sehr groß, was für die Ablesbarkeit sehr gut war. Außerdem war es mit mehreren Farben gekennzeichnet. Und wenn man versucht hat, trotz gewartem Fahrzeug im Toten Winkel rüberzufahren, so hat er es auch mit rotem Warnlicht im Headup-Display angezeigt. Das fand ich wirklich gut.

Der Spurassistent war wirklich nur eine Art Spurverlassenswarner mit einer Art Noteingriff kurz vor knapp – dafür umso heftiger. Die Eingriffe erfolgten aber leider sehr abrupt. Außerdem nur teilweise gut fand ich den adaptiven Tempomaten. Das Tempo hält er wirklich gut, genauso den Abstand. Wenn aber ein Fahrzeug in meine Spur zieht, braucht er relativ lange, um darauf zu reagieren. Dafür bremst er dann umso heftiger ab. Fühlt sich leider nicht sonderlich angenehm an. Desweiteren braucht der Jaguar leider sehr lange, bis er erkannt hat, das vor mir sich kein Fahrzeug mehr befindet bei einem Spurwechsel und lässt sich dann mit dem erneuten Hochbeschleunigen sehr lange Zeit.

Die Verkehrszeichenerkennung funktionierte gut und auch auf die aktuellen Schilder, nicht nur auf Navi-Software. Leider gibt es keine Option bzw Taste, womit er das angezeigte Tempo auch gleich übernimmt, er zeigt es leider nur an.

Bedienung: Die Gänge bei Jaguar werden nur über Drucktaste angewählt – also P, R, N D – sehr verwechslungssicher angelegt das Ganze. Ansonsten lässt die Bedienung im Auto eigentlich keine Fragen zu. Die Lenksäule lässt sich nur manuell, nicht aber elektrisch bewegen, was ich aber absolut nicht wichtig finde. So oft wird diese nicht verstellt.

Alle sonstigen Einstellungen, die schonmal beim Fahren benutzt werden müssten, sind alle einfach zu bedienen. Sitzeinstellung ist bei dem Modell in 3 Positionen mit Memory speicherbar, sogar für Fahrer- und Beifahrersitz. Aus einen Nachteil empfand ich die Tasten im Lenkrad. Sie waren etwas verwirrend angeordnet, bei manchen gab es eine Doppelbelegung, die dann auch noch teilweise über einen weiteren Knopf aktiviert werden musste, oder über längeres Halten eines Knopfes. Und richtig schön zu bedienen waren die Knöpfe auch nicht im Lenkrad.

Platzangebot: Das Platzangebot ist nicht unbedingt die Paradedisziplin im Jaguar. Man hat vorne wirklich gut Platz, auch größere oder fülligere Menschen. Die Sitze sind ebenfalls sehr gut in alle möglichen Richtungen einstellbar. Hinten ist das Platzangebot für die Beine relativ gut, jedoch ist die Kopffreiheit, auch wegen des Panoramadaches, etwas eingeschränkt. Der Kofferraum unter der Fronthaube, also der Frunk, ist doch eher nur eine Kabelablage – ist recht klein geraten. Ich denke aber, dies ist auch dem vorderen Motor geschuldet. Natürlich hat auch der Luftschlitz in der Fronthaube seinen Teil dazu beigetragen, das der Platz nicht so genutzt werden konnte wie gewollt. Der Kofferraum ist angenehm groß und hat eine gute Ladekante, Es gibt eine minimale Ladekante, aber die ist wirklich nicht direkt erwähnenswert. Sehr schön gefallen hat mir die doch sehr wertige Auskleidung des gesamten Kofferraumes. Nirgends gibt es wirklich sichtbares Plastik, wo sich gern mal Plastikgeräusche durch knarzen oder ähnlichem Bemerkbar machen.

Infotainment + Navigation: Ich finde, für ein Fahrzeug dieser Qualität und auch dieses Preisniveaus ist das angebotene Navigationssystem schon ein Witz. Sehr klein, dazu eine fragwürdige Routenplanung bei Zielplanungen mit Ladestops. Desweiteren hat der Monitor, wo zwar schön Jaguar drüber steht – das bringt aber hinterher nix, links wie rechts eine gut 2,5 cm breite Kante, die nicht genutzt ist. Wie beim 4:3 Film, den man auf einem 16:9 Fernseher sich anguckt. Die Navigation hingegen funktionierte problemlos, die Sprachbedienung eher so leidlich. Sie hat leider nur sporadisch verstanden, was ich so alles von mir gegeben habe.

Die Kameras jedoch sind schon der Wahnsinn. Man kann sich selbst den aktuell geparkten Wagen von schräg hinten links wie rechts ansehen, genauso vorne. Außerdem verfügt der Wagen noch über eine Front- und Rückfahrkamera. Das Soundsystem von Mark Levinson war toll im Klang, auch das die Boxen eher weniger versteckt sind, sondern mit einer Aluminiumabdeckung versehen sind, fand ich ganz schick.

Qualitätsanmutung: Da wären wir dann wohl bei einem der Steckenpferde vom Jaguar angekommen. Die Materialien im gesamten Innenraum sind unglaublich wertig. Das Leder, Armaturenbrett, Türverkleidungen, alles ist angenehm weich gepolstert und fühlt sich beim Anfassen sehr angenehm an. Ich muss allerdings sagen, dass das Leder im Mustang Mach-E gefühlt die gleiche Qualität hatte. Ob es so ist mag ich nicht beurteilen zu können, ich kann nur von der Wirkung erzählen.

Das Armaturenbrett widerum war wirklich toll verarbeitet – nur der Bereich vor dem Beifahrer mit dem geriffelten Bereich sah weder super aus noch fühlte es sich super an – auch wenns nicht hart oder so war, es war durchaus weich gepolstert. Das Lenkrad war schön, auch das Material fühlte sich toll an – aber das des Mustang war deutlich weicher und angenehmer in der Hand zu haben. Nicht gefallen hat mir am Lenkrad, das die Lenkradspeichen nicht aus Metall sind, sondern nur silberfarbener Kunststoff. Das hätte ich bei  einem Jaguar besser erwartet. Außerdem fühlen sich die Tasten im Lenkrad nicht sonderlich gut an. Die Türverkleidungen sind oben herum sehr angenehm und unglaublich weich unterschäumt, was beim Tür öffnen schon eine sehr gute Haptik hervorruft. Das zieht sich eigentlich so durch den Wagen.

Der Kofferraum ist nicht mit Nadelvlies, sondern eher mit richtig Velours ausgelegt. Es sieht sehr Edel aus, man mag gar nicht erst was hineinstellen. Das die Seiten im Kofferraum verkleidet sind und mit dem Bezugstoff vom Kofferraum versehen sind, macht die Optik nochmals anspruchsvoller und wertiger.

Alle Spaltmaße sahen wirklich gut aus, jedoch missfällt mir in so einem Auto leider ein wenig der Klavierlack, weil es doch sehr schnell sehr schlecht gepflegt aussieht, obwohl es das vermeindlich gar nicht ist.

Verbrauch + Laden + Reichweite: Oh mein Gott – ich glaube eines der unschönsten Themen beim Jaguar. Über rund 130 km Fahrstrecke mit allem dabei – Stadtverbrauch, normales Allerweltsfahren bis zum Bolzen mit knapp 210 km/h Tacho war alles dabei. Der Schnitt hier lag bei rund 36 kWh. Rein Innerorts, mit unglaublich vorausschauendem Fahren und ohne mal jemanden zu überholen auf einer 2 spurigen Straße Innerorts, um sich „vorzumogeln“ lag ich bei 25,8 kWh. Alles in allem doch ziemlich hoch. Autobahn bei Topspeed lag ich, wenn ich mich richtig erinnere bei rund 60 kWh.

Die Ladeleistung auch wenn ich nur rund 50% Akku verfahren habe und daher nicht nachladen musste, liegt bei nur rund 100 kw. Ist leider nicht die schnellste. Aber immerhin sind mittlerweile 11 kw AC möglich, was schonmal für das Shoppen in der City gut ist. Reichweite war bei Fahrtbeginn bei rund 400 km, was natürlich nicht so wirklich hinkommt. Ich tippe mal, 260-280 km sind wohl real möglich, wenn nicht hohe Temperatur herrscht oder man zügiger fahren möchte.

Fazit: Es ist durchaus ein echter Jaguar. Man muss ihn sich aber auch wirklich leisten können. Einerseits beim Kaufpreis, aber auch bei den Unterhaltskosten und nicht zuletzt beim doch recht hohen Stromverbrauch. Fahren lässt er sich wirklich toll, allerdings finde ich, im Bereich Infotainment doch stark in die Jahre gekommen, obwohl noch gar nicht so alt.

Ich würde ihn für Leute empfehlen, die absolut niht aufs Geld gucken müssen und nen E-Auto nur aus Spaß an der Freud' kaufen wollen oder eben andere Gründe – jedoch nicht als Sparidee. Die Qualität im Innenraum ist schön – der Klavierlack passt meiner Meinung nach nicht so super in einen Jaguar. Da hätte ich gebürstetes Alu oder Holz wohl eher genommen.

Einige Punkte hätte ich, die ich am I-Pace durchaus verbessern würde. Alles in allem aber ein gutes E-Auto, das aber eben als Jaguar seinen Preis hat.

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Quelle: Dominik König

Bild: Jaguar-Media

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