Strom Dienstag 13. Juli 2021

Testbericht über den Nissan Leaf von Dominik König

Nach zahlreichen Probefahrten mit den meisten aktuell erhältlichen Elektroautos möchte ich euch mal meine Erfahrung / Meinung zu den Fahrzeugen mitteilen.

Angefangen hat das ganze eigentlich im letzten Jahr, als ich zu einer Probefahrt im Nissan Leaf 40kWh eingeladen wurde. Ich muss sagen, es war ein wirklich interessantes, völlig neues Gefühl des Autofahrens. Außen: Das Styling des Nissan Leaf II ist definitiv mal als anders zu beschreiben. Ich würde es durchaus als Attraktiv ansehen, ein bisschen anders hier und da. Unterm Strich aber einfach ein Fließheck, welcher irgendwo zwischen Golf und Passat angesiedelt ist.

Die Mini-Frontklappe beherbergt nur den Ladeanschluß, ansonsten ist der Wagen aber klar der Nissan-Familie zugehörig.

Innen: Die Sitze sind bequem, bieten guten Seitenhalt, wenn auch keine richtigen Sportsitze, aber auch mit 1,84m hat man keine Probleme mit der Beinauflage der Oberschenkel. Das Lenkrad ist unten abgeflacht, was beim Fahren durchaus angenehm ist, da es mehr Platz zwischen den Oberschenkeln und dem Lenkrad bildet.

Alles befindet sich da, wo man es vermutet und aus dem eigentlich eher unkonventionell wirkenden Auto wird aber schnell ein gut Verständliches. Der Bedienknubbel für die Fahrstufe fällt natürlich auf, wenngleich ich diese Lösung als optisch wirklich gut gelungen betrachte.

Fahrleistungen + Rekuperation: Das in diesem Fall gefahrene Modell war ein 40 kWh Modell mit 150 PS. Die Beschleunigung, vor allem aber auch der Punch als Zwischenspurt, ist wirklich klasse. Um die 8 Sekunden auf 100 sind für 150 PS schon echt fix. Und wenn man sich mal irgendwo einfädeln muss – zack, kurz aufs Gas, schon hat man ne Lücke gefunden. Wirklich wunderbar.

Dazu besitzt der Leaf eine Taste, die „e-Pedal“ heißt. Diese besagt, das man den Wagen mit einem Pedal fahren kann – One Pedal Driving wird es heute bei Elektroautos genannt, was ich damals noch nicht wusste. Im Grunde steuert man damit einfach nur, das der Wagen eine größere Rekuperation zulässt. Wirklich gut. Etwas unschön ist die Limitierung des Fahrzeugs auf 144 km/h – und zwar eher über den Tacho als reale Geschwindigkeit. Da er die 100 km/h aber eher zügig erreicht, ist die Leistung dann sehr abrupt zu Ende.

Fahren: Angenehm, ruhig, ständig beherrschbar ohne Überraschungen. So würde ich das Fahrverhalten beschreiben. Es gibt keine besonderen Vorkommnisse, der Wagen wird auch bei sportlicher Gangart nicht nervös oder zuckt mit dem Heck. Die Lenkung jedoch könnte ein wenig gefühlvoller sein, sie fühlt sich etwas zu synthetisch an, zu sehr entkoppelt von der Fahrbahn.

Assistenten: Der adaptive Tempomat war in dem Modell verbaut, was mir sehr gut gefallen hat. Er hat auch sehr gut auf die vor mit fahrenden Fahrzeuge reagiert. Eine Rückfahrkamera war noch verbaut, was zum Rückwärts rangieren absolut positiv ist. Außerdem verfügte der Wagen über ein Head-Up-Display, was beim Fahren natürlich Klasse ist – man muss den Blick nicht mehr von der Straße nehmen. Andere Assistenzsysteme waren meiner Erinnerung nach nicht verbaut – oder wurden von mir zumindest nicht wahrgenommen.

Bedienung: Obwohl man es denken könnte, war die Bedienung überhaupt nicht kompliziert. Das Bedien-Ei für die Schaltung lässt sich problemlos hin- und herbewegen. Grundsätzlich ist das Fahren mit einem E-Auto wie mit einem Automatik-Fahrzeug, auch wenn natürlich keine Gänge vorhanden sind. Aber einfach auf „D“ und los geht es.

Die meisten Bedienungen sind übersichtlich gestaltet, allerdings sind einige Funktionen, die seltener benutzt werden, eher versteckt untergebracht, zum Beispiel links vom Lenkrad relativ tief. Aber es geht noch, da es nicht so wichtige Funktionen sind, die man eben nicht ständig benötigt und/oder verstellt.

Platzangebot: Wirklich angenehm. Vorne ist es angenehm großzügig, man kommt sich mit dem Beifahrer nicht wirklich in die Quere. Hinten hingegen ist das stärker abfallende Dach ein Problem für größer Gewachsene. Außerdem stehen die Knie steiler nach oben, was möglicherweise an einem darunter verbauten Akku liegen könnte – bin mir da aber nicht so sicher.

Infotainment + Navigation: Dazu gibt es nichts auffälliges zu sagen. Das Navigationssystem funktionierte gut, Sprachbedienung und Einbettung der Ladepunkte habe ich allerdings damals nicht ausprobiert, kann daher nichts dazu sagen.

Qualitätsanmutung: Qualitativ durchaus gut Verarbeitet, sowohl Innen als auch was die Spaltmaße angeht. Hier und da doch etwas preiswertere Materialien benutzt, aber überwiegend da, wo man nicht hinfasst oder was man nicht direkt ständig sieht.

Verbrauch + Laden + Reichweite: Zum Verbrauch des Leaf kann ich leider nicht viel sagen – da ich diesen damals nicht beachtet habe. Die Reichweite des Leaf mit 150 PS ist gut, allerdings hat der Wagen andere Probleme. Und zwar besitzt er erstens keinen CCS-Anschluß, wie sonst heute in Europa eigentlich absoluter Standard. Somit sind deutlich weniger Ladesäulen zur Verfügung UND diese sind meist eher langsam ladend – was aber eher für den 62 kWh Leaf von Bedeutung wäre.

Das noch größere Problem, wie man mittlerweile weiß und auch im Internet oft diskutiert wird, ist ein sogannter Fall von Rapidgate. Das bedeutet, das der Leaf-Akku einfach zu warm wird. Und dadurch nimmt der Wagen erst Leistung weg bei der Fahrt, wenn man längere Strecken fährt. Und was quasi fast noch wichtiger ist, er reduziert aufgrund zu warm gewordenem Akku die Ladeleistung – sodaß Ladepausen sich auf bis zu 2.5 Stunden hinauszögern können – zumindest so in Videos im Internet gesehen. Ich hoffe, das sich dies irgendwie von Nissan beheben lässt, weil es sonst eigentlich unmöglich darstellt, solch ein Fahrzeug für mehr als die Alltagsfahrten zu nutzen.

Fazit: Grundsätzlich fand ich den Leaf schön zu fahren. Die Beschleunigung ist gut, ich meine die Reichweite war auch sehr akzeptabel. Das Fahren mit dem e-Pedal fand ich wirklich sehr gelungen. Allerdings finde ich die Begrenzung auf 144 km/h ein wenig zu niedrig, das Laden per CHAdeMO anstatt CCS eher schwierig in Deutschland bzw Europa, und die Ladeprobleme auf längeren Strecken eleminieren für mich das Modell, sich dafür irgendwie näher zu befassen.

Quelle: Dominik König

Bild:Nissan

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