Strom Dienstag 13. Juli 2021

Testbericht über den Peugeot e-2008 von Dominik König

Ein paar Tage sind vergangen, da hab ich mir gedacht – aktuell bieten doch alle so viel rund um Elektroautos an, wieso fährste nicht mal welche Probe und testest sie aus. Gesagt – getan. Google aufgemacht und gesucht. Als erstes, weil ich bei Facebook in einer Gruppe einen Kommentar gesehen habe bezüglich des Peugeot e-2008. Und ich wollte mir davon selbst ne Meinung bilden. Also habe ich halt mit dem e-2008 angefangen und online eine Probefahrt vereinbart.

Der Kontakt war sehr zügig, freundlich und ruck-zuck hatte ich meine erste Elektroauto-Probefahrt, nach meiner Tesla-Erfahrung. In Werne beim Händler angekommen, wurde mir der Wagen wieder kontaktlos übergeben. Kurz erklärt draußen, wo mir bei genug Abstand der Wagen kurz erklärt wurde.

Auf geht’s – los mit dem kleinen Löwen.

Außen: Sportlich-Agressiv, wie von Peugeot gewohnt. Gute Verarbeitung, wenngleich einige Firmentypsiche Eigenarten. Aber absolut in Ordnung.

Innen: Schicke Materialien, auch das Kombiinstrument ist wirklich schlick gestaltet – wenngleich sich die offenen Kammern mir nicht recht erschließen. Große, wirklich bequeme Sitze, viel Kopffreiheit, wirklich soweit alles super.

Fahrleistungen + Rekuperation: Die Leistung des Fahrzeugs hat mir aber weniger gefallen. Erstens, das er doch deutlich reduzierte Leistung zu haben scheint im Normalmodus. Im Eco- Modus verstehe ich es. Aber um 136 PS abrufen zu können, in den Sportmodus wechseln zu müssen, finde ich eher ungünstig. Ich glaub, dafür is das Fahrzeug irgendwie falsch. Außerdem hat der Wagen, was ich selbst schon beim Leaf, nicht nur beim Tesla erlebt habe, das er sofort Punch hat beim Gas geben, um, wie schon erwähnt auch mal ne Lücke nutzen zu können, einfach zu wenig Leistung. Er war richtig behäbig. Auf Sport war er zwar etwas besser, aber immer noch eher träge. Das gefiel mir überhaupt nicht.

Dann probierte ich den B-Modus aus, damit der Wagen auch mal rekuperiert. Denn das habe ich komplett vermisst beim Zurollen auf die ersten 2 Ampeln. Aber trotz B-Modus, die einzige Möglichkeit, die Rekuperation zu aktivieren, war nicht viel an Rekuperationsleistung zu verspüren. Bremsen musste ich durchweg, One-Pedal-Driving is absolut nicht möglich.

Fahren: Das Fahren allerdings, muss ich sagen, war sehr angenehm. Gut gedämmt war er durchaus. Die Fronthaube durchaus sehr present beim Blick nach vorne. Aber nicht schlimm. Übersichtlichkeit war absolut in Ordnung. Desweiteren find ich das kleine Lenkrad mit den nach oben versetzten Instrumenten angenehm handlich, aber vom Fahrgefühl her unschön nach unten versetzt. Also tiefer, als man es normalerweise gewöhnt ist. Fahren kann man schon gut damit, das Lenkrad so tief fühlt sich aber immer irgendwie wie ein Fremdkörper an. Schnell mal durch Kurven zu fahren, wenn man wollte, und ich glaube, das Fahrwerk könnte es sogar, wird somit eigentlich schon im Keim erstickt, weil es sich unschön anfühlt. Und damit fährt man normalerweise nicht schnell.

Assistenten: Der Wagen verfügte über Abstandsregeltempomat und Spurhalteassistent. Beides funktionierte gut, der Spurassistent verstand sogar, das ich rausziehen möchte, wenn ich blinke, und gab das Limit wieder frei, noch bevor ich die Spur gewechselt hatte. Das hat mir ehrlich gefallen.

Bedienung: Ohne Rätsel soweit, allerdings auch ohne richtige Emotionen. Alle Schalter liegen griffgünstig, die benötigt werden. Das Kombiinstrument lässt sich auf verschiedene Weise anzeigen. Ein mögliches Headup-Display, was aus einem Schacht fährt, sieht hingegen eher billig umgesetzt aus. 

Platzangebot: Innen das Raumgefühl genauso wie der Kofferraum sind absolut toll, was ich nicht gut fand war der Einsteig. Wo der Einstieg noch gut funktioniert hat, befindet sich von innen eine Art Stolperkante am Türschweller. Was zu einer unschönen Stolpereinlage führen kann. Ich glaube nicht, das man es so unpraktisch an der Stelle lösen muss.

Infotainment + Navigation: Ich glaube, das ist eines der langsamsten Navigationssysteme, die ich in den letzten Jahren benutzt habe. Die Zoomgeschwindigkeit ist ungefähr so schnell, als würde man dafür extra auf einen Berg klettern, die Auflösung ein Desaster. Dazu ist die Sprachbedienung eher ein Witz.

Qualitätsanmutung: Wirklich tolle Materialien, sogar an Stellen, wo man eher selten hinfasst. Dazu tolle Spaltmaße innen und außen. Definitiv keine Kritikpunkte nötig.

Verbrauch + Laden + Reichweite: Losgefahren bei 308 km, sank die Reichweite schon ziemlich ordentlich. Dann kam der Verbrauch. Zugegeben, ich bin einigermaßen viel Autobahn mit dem Wagen gefahren, aber bis auf einmal kurz 150 km/h Abregeltempo lag ich immer bei um die 120 km/h. Und das hin und zurück auf der gleichen Strecke – somit müsste auch eine eventuelle Steigung wieder ausgeglichen worden sein.

Bei Peugeot wieder angekommen, war ich schon überrascht. Bei genau 60,4 km gefahrener Strecke hatte ich nur noch 154 km Restreichweite (wir erinnern uns, zu Beginn der Fahrt waren es 308!). Das find ich einfach zu enorm. Schön, wenn er über 300 km Reichweite anzeigt. Wenn das aber nur gemacht wird, damit sie bei vollem Akku da stehen, aber absolut unrealistisch sind, diese zu erfahren, auch nur Ansatzweise in die Richtung zu kommen, macht es in meinen Augen keinen Sinn. Und andere Fahrzeuge haben mir gezeigt, das es wirklich anders geht. Endergebnis bei 1⁄4 Stadt, 1⁄4 Land und 1⁄2 Autobahn, wovon 3-4 km mit Vollgas waren, lag ich bei 23,4 kWh. Fand ich weitaus zu viel für die gebotene Leistung.

Fazit: In meinen Augen ist der Antrieb zu schwach ausgelegt für dieses doch etwas größere SUV. Er quält sich doch sehr, der Verbrauch war für die gebotene Leistung zu hoch. Auch wenn mir die Verkäuferin einige Tage später nochmals mitteilte, das sie den Wagen auch mit 19 kWh fahren könne und mehr als 120 km/h eben für dieses Fahrzeug zu viel seien, um wirtschaftlich zu sein, bin ich der Meinung, das der Verbrauch zu hoch ist. Natürlich kann man ihn ohne Klimaanlage fahren mit Tempo 100. Aber das ist für mich dann kein repräsentativer Verbrauch, sondern Utopie. Und nur, um die Zahlen zu erreichen, als Verkehrsbremse umherzufahren, sehe ich auch nicht ein. Es muss schon in den Alltag passen. Alles in allem aber zu teuer für das gebotene, wenngleich das Auto ansich schick verarbeitet ist, jedoch mit Fehlern in der Innenraumgestaltung – wie zB die Kante beim Seitenschweller.

Quelle: Dominik König

Bild: Peugeot

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